Jingdezhen – Chinesisches Porzellan

JINGDEZHEN – AUF DEN SPUREN DER CHINESISCHEN GESCHICHTE UND KUNST

Keramik ist ein bedeutsamer Teil der Kulurgeschichte Chinas. Älteste Spuren reichen Jahrtausende [1] zurück als sich im Neolithikum allmählich Kultur und Tradition der chinesischen Töpferkunst zu entwickeln begannen. Erste glasierte Keramik wurde in China bereits vor rund viertausend Jahren gebrannt. Die Herstellung von echtem Porzellan, also von transparenter Keramik beginnt vermutlich in der Han-Zeit vor rund zweitausend Jahren.

Als erste Blütezeit in der Porzellanherstellung gilt die Dynastie der Song (960 – 1279 n.Chr.). Seither ist auch die Stadt Jingdezhen namentlich auf ewig mit der Geschichte des Porzellans, des china[2], verbunden.  Bereits während der Han-Periode (206 v.Chr. bis 220 n.Chr.) hatte sich die anfangs  Changnanzhen[3] genannte Stadt, zu einem frühen Zentrum der Keramikherstellung entwickelt.

Im 5. Jahrhundert wurde hier bereits mit der Herstellung von Porzellan begonnen. Im Jahre 1004 ernannte der Hof die umtriebige Stadt zur Kaiserlichen Porzellanmanufaktur, die nun die gemäß der kaiserlichen Losung “Jingde”, Jingdezhen genannt wurde. Für ein Jahrtausend wurde von Jingdezhen aus das berühmte weiße Gold an den kaiserlichen Hof und in die ganze Welt über die damals äußerst mühsamen Land- und Seewege verschickt. Jingdezhen und China – wie später auch der Tee – wurden Synonyme für das Reich der Mitte.

Jingdezhen hat seither einen signifikanten Einfluss auf die Kulturgeschichte Chinas, die damit gleichzeitig auch zur Industriegeschichte wurde. Erst in jüngster Zeit hat sich erneut ein chinesischer Künstler, der Maler Wang Jixin, mit der Geschichte und dem Status Jingdezhens auseinandersetzt und sie in den Bildern und Videos seines eines sehr umfassenden Arbeitszyklus’ “Der verlorene Ruhm”[4] inszeniert.

In diesem Werk befasst sich Wang Jixin intensiv mit der sozialen Realität und dem Einfluss auf die Sozialgeschichte des Landes sowie mit den sozialen Transformationen nach den wirtschaftlichen Umwälzungen der 80er auseinandersetzt. Für Wang Jixin steht Jingdezhen als Symbol für die Kultur und Tradition seiner Heimat und gleichsam für die sozialen Konflikte, die der seit Jahrzehnten sich vollziehende Umbruch in ein neues, modernes, schnell wachsendes und sich stark wandelndes China mit sich bringt.

Seit der wirtschaftlichen Öffnung Chinas ließen es die Zentralregierung in Peking wie die Provinzregierung der Jiangxi-Provinz zu, dass mehr und mehr der traditionsreichen Porzellanmanufakturen in Jingedzhen schliessen mussten. Während andernorts Industrie und Wirtschaft begannen, rapide zu wachsen und den Menschen dort neuen Wohlstand brachten, wurde hier Abertausende von Menschen mit Almosen abgespreist, vergessen und ohne Hoffnung zurück gelassen. Jingdezhen teilte mit anderen Städten und ehemals florierenden Unternehmen das Schicksal, dass Traditionsbereiche nunmehr aufgegeben und zahlreiche Betriebe geschlossen wurden, deren “Manager” nicht gelernt hatten, ihre “Unternehmen” erfolgreich in einem globalen Wettbewerbsumfeld zu positionieren. Millionen von Menschen fühlten sich plötzlich von einem vermeintlich sorgenden Parteiapparat verlassen und verraten.

Auch wenn heute vereinzelt wieder Bemühungen zu spüren sind, das alte, traditionsreiche Handwerk der kunstvollen Porzellanherstellung neu zu beleben, so gilt für die überwiegende Zahl der Arbeiter, Handwerker und Künstler in der einst so blühenden Weltmetropole des Porzellans, die ihre gesamte Sozialisation ausschließlich in diesen Manufakturen und in funktionierenden Nachbarschaften durchlebt hatten, dass sie sich urplötzlich in einer enorm kritischen und scheinbar aussichtslosen Situation befanden und bis auf den heutigen Tag unter den sozialen und wirtschaftlichen Problemen dieses Wandels leiden. Für mehr als ein Jahrtausend waren sie der Stolz einer ganzen Nation, doch plötzlich ist der Glanz verblichen und der Ruhm verloren: Die ehemaligen Helden der Arbeit und Gestalter des Erfolges wurden plötzlich zu den Verlierern einer vermeintlich modernen, sich schnell verändernden Gesellschaft inmitten der Globalisierung, vergessen auf zerbrochenem Porzellan.

Wang Jixin: Öl auf Leinwand 300 cm x 600 cm, Jingdezhen 2008

Jingdezhen und deshalb auch Wang Jixins Arbeiten sind der sichtbare und kraftvolle aber auch mahnende Ausdruck von Chinas Transition in eine scheinbar moderne Gesellschaft, die sich an einer freien Marktwirtschaft ausrichtet.

Wang Jixin: Stolz und Scham – Die Porzellanarbeiter kämpfen ums Überleben, Foto 2007

Chinesisches Porzellan

Chinesisches Porzellan stellt einen zentralen Bestandteil der Kunst und Kultur Chinas dar. Es wurde zum Vorbild der Porzellanerzeugung auch im Westen.

Material und Herstellung

Chinesisches Porzellan besteht meist aus

  • Kaolin (高嶺土), einer speziellen, vorwiegend aus Kaolinit bestehenden, eisenarmen Tonerde, benannt nach dem chinesischen Berg Gaoling (高嶺),
  • Petuntse (白墩子), einem Feldspat- bzw. Glimmergestein, sowie
  • Quarz

Das Kaolin ist aufgrund seiner körnigen Struktur zur Aufnahme relativ großer Mengen von Wasser fähig und verleiht der Werkmasse ihre Formbarkeit und Feuerfestigkeit. Petuntse und Quarz vermindern als sog. Magerungsmittel die Formbarkeit des Stoffs, verringern dafür aber denVolumenschwund beim Trocknen und Brennen. Die Petuntse stellt darüber hinaus ein Flussmittel dar, sie ist der einzige Bestandteil, der beim Brennen schmilzt.

Chinesisches Porzellan wird gewöhnlich nur einfach gebrannt, also Material und Glasur in einem Vorgang. Nachdem die Form eines Stücks fertiggestellt ist, wird sie luftgetrocknet, glasiert, abermals getrocknet und schließlich gebrannt. Unter der hohen Temperatur des Brennofens verschmelzen Material und Glasur zu einer untrennbaren Einheit. Chinesische Email-Arbeiten werden auf ähnliche Weise produziert, wobei aber dem ersten Brennvorgang unter hoher Temperatur der Auftrag des Emails und diesem schließlich ein zweiter Brennvorgang in einem Ofen mit niedrigerer Temperatur folgt.

Klassifikation

Im Westen unterscheidet man gewöhnlich drei Arten von Keramik nämlich je nach Zusammensetzung des Werkstoffs und Brenntemperatur Steingut, Steinzeug und Porzellan. Auch betrachtet man dort häufig die Transparenz des Materials als Wesensmerkmal des Porzellans.

Im chinesischen Kulturkreis gibt es jedoch nur zwei Kategorien, heißgebranntes (cí 瓷) und kaltgebranntes (táo 匋) Porzellan. Auch dickere und undurchsichtige Keramiken werden als Porzellan eingestuft, wenn sie nur beim Anschlagen das für diesen Werkstoff typische Geräusch erzeugen.

Häufig findet man in China auch die Unterscheidung zwischen „nördlichem“ und „südlichem“ Porzellan, was auf die unterschiedlichen geologischen Beschaffenheiten der beiden Landesteile, aber auch auf in ihnen jeweils bevorzugten Brennstoffe zurückzuführen ist. In den kohlebeheizten Brennöfen des Nordens wurde bevorzugt stärker kaolinhaltige Werkmasse bei hohen Temperaturen gebrannt. Mit der im Süden verbreiteten Holzbefeuerung erreichte man meist niedrigere Temperaturen, der Grundstoff wies meist höhere Anteile an Petuntse auf.

Geschichte – Die Anfänge

Wenn die Geschichte der Keramik in China bis weit ins zweite vorchristliche Jahrtausend zurückreicht, fällt die Datierung des ersten Porzellans mit Blick auf das Fehlen einer verbindlichen Begriffsbestimmung schwer. Vorgeschlagen wurden insofern die späte Östliche Han-Dynastie (100-200 n. Chr.), die Zeit der Drei Reiche (220-280 n. Chr.), die Periode der Sechs Dynastien (220-589 n. Chr.) sowie die Tang-Dynastie (618-906 n. Chr.). Einige Fachleute vertreten die Ansicht, das erste „echte“ chinesische Porzellan sei zur Zeit der östlichen Han in Zhejiang gefertigt worden. Insbesondere sei gerade dort ein ausreichendes Vorkommen der oben genannte Grundstoffe zu verzeichnen gewesen, auch wurden in der Provinz bei Temperaturen von 1260-1300 Grad gebrannte Scherben gefunden.

Spätestens seit der frühen Han-Dynastie war Jingdezhen zu einem der wichtig-sten Keramikzentren Südchinas aufgerückt. Die ältere Ware wurde noch kalt-gebrannt, im 5. und 6. Jahrhundert produzierte man aber bereits unter Verwen-dung lokaler Rohmaterialien eine Art von Porzellan. 1004 machte der Song-Kaiser Jingde Jingdezhen zur Produktionsstätte für kaiserliches Porzellan.

Während der Song- und Yuan-Dynastie produzierte man Porzellan in Jingdezhen und anderen südchinesischen Brennstätten teilweise unter alleiniger Verwendung von Petuntse bei Temperaturen von ca. 1.250 Grad.

Im frühen achtzehnten Jahrhundert mischte man diese aber wieder zunehmend zu gleichen Teilen mit Kaolin und brannte bei 1.350 Grad. So entstand ein sehr dauerhaftes Porzellan von strahlendem Weiß. In den eiförmig gebauten Brennöfen des Südens herrschten große Temperaturunterschiede, die durch Variierung des Kaolinanteils der Werkmasse ausgeglichen werden mussten.

Zwei Beschreibungen der Manufaktur von Jingdezhen sind aus der Qing-Zeit erhalten: Der gegen Ende der Kangxi-Periode in der Stadt wirkende Jesuitenmissionar Père Francois Xavier d’Entrecolles etwa schilderte in seinen Briefen detailliert die bei der Porzellanherstellung verwendeten Materialien und Verfahren.

Als Motiv hierfür gab er reine Neugierde an, räumte aber auch ein, dass seine Beschreibungen für Europa von Nutzen sein könnte. Freilich erreichte sein 1712 verfasster Brief Europa erst, als Johann Friedrich Böttger und Ehrenfried Walther von Tschirnhaus das Geheimnis des Porzellans ohnehin bereits entschlüsselt hatten. 1743, zur Regierungszeit Qianlongs, verfasste dann der kaiserliche Manufakturvorsteher Tang Ying ein Memorandum mit dem Titel „Zwanzig Illustrationen der Porzellanmanufaktur“. Die Illustrationen selbst sind heute nicht mehr erhalten, sehr wohl aber der Text.

Dynastie der Sui- und Tang

Während der Sui- und Tang-Dynastie (581-906) wurden große Mengen heiß- wie kaltgebrannter Keramik produziert, darunter auch die bekannte Bleigla-surware der Tang-Zeit (三彩 „sancai“, „dreifarbig“), das heißgebrannte Kalkglasur-Celadon Yue sowie die kaltgebrannte Changsha-Ware. In den nordchinesischen Provinzen Henan und Hebei fertigte man heißgebranntes Transparentporzellan.

Aus dieser Epoche stammt auch eine der ersten Erwähnungen chinesischen Porzellans durch einen Ausländer. In China habe man, so die Aufzeichnungen eines arabischen Reisenden des 8. oder 9. Jahrhunderts, eine sehr feine Tonerde, aus der man Vasen fertige, die so durchsichtig wie Glas seien. Glas war in der arabischen Welt damals wohlbekannt, so dass eine Verwechslung der beiden Materialien ausgeschlossen werden kann.

Seladon-Porzellan

In der Songzeit produzierte man insbesondere in Kaifeng und Longquan in großen Mengen das berühmte Seladon-Porzellan, dessen Herstel-lungsmethode bereits seit dem 4. Jahrhundert bekannt war. Die charakteristische olivgrüne, an Jade er-innernde Glasur entsteht durch Re-duktion von Eisen(III) zu Eisen(II)-oxid während des Brennvorgangs. Bei den Gefäß-typen orientierte man sich weitgehend an den klassischen, seit der Bronzezeit im Wesentlichen unverändert gebliebenen Formen.

Häufig wurden in den Scherben geometrische, florale oder zoomorphe Reliefs aufmodelliert oder eingeritzt. Die Seladonware aus Longquan erfreute sich nicht nur am chinesischen Kaiserhof großer Beliebtheit, sondern wurde von Anfang an in zahlreiche Länder Asiens exportiert. In der Blütezeit der Ming-Dynastie erreichte sie schließlich Europa, wo sie zunächst mit Gold aufgewogen wurde.

Jian-Teeporzellan

Das Jian-Schwarzporzellan aus der Präfektur Jianyang (Provinz Fujian) wurde vor allem für Teeservices verwen-det und erreichte den Höhepunkt seiner Verbreitung während der Song-Dynastie. Hierfür verwendete man eisenreiches Kaolin aus lokalen Vorkommen, das man unter großer Sauerstoffzufuhr bei ca. 1.300 Grad brannte.

Die Glasur wurde aus ähnlicher Tonerde wie das Werkstück selbst hergestellt, aber mit Holzkohle vermischt. Bei den hohen Brenntemperaturen bildeten sich innerhalb der Glasur einzelne Schichten heraus, die das berühmte „Hasenfell“-Muster erzeugten.Hochgeschätzt und dement-sprechend häufig kopiert wurde das Jian-Porzellan vor allem in Japan, wo man sie unter dem Namen temmoku oder Tenmoku kennt. Die Schichtenbildung in der eisenreichen Glasur des chinesischen Schwarzporzellans wurde auch benutzt, um die bekannten „Ölfleck“-, „Teestaub“ und „Rebhuhnfeder“-Muster hervorzubringen.

Qingbai-Porzellan

Qingbai-Porzellan (青白; qīngbái=“grünweiß“) wurde seit der nördlichen Song-Dynastie in Jingdezhen und zahlreichen anderen südchinesischen Brennstätten hergestellt. Anfang des 14. Jahrhunderts wurde es fast vollständig von der aufkommenden Blau-Weiß-Ware verdrängt. Das unter Verwendung von Petuntse gefertigte, schwach eisenhaltige Material ist ursprünglich weiß, erhält durch die Glasur aber den typischen grünlichen Schimmer, der ihm den Namen gegeben hat. Erhalten geblieben sind insbesondere Schalen, teilweise mit eingeritztem oder aufmodelliertem Muster. Ein Großteil der Qingbai-Ware wurde für den Alltagsgebrauch geschaffen und genoss deshalb zum Zeitpunkt seiner Entstehung weitaus geringere Wertschätzung als heute. Ein bemerkenswertes Qingbai-Stück ist im Irischen Nationalmuseum,die sog. “Fonthill-Vase”.

Angeblich soll es das erste jemals nach Europa gelangte Stück chinesischer Porzellankunst sein. Die vermutlich um 1300 in Jingdezhen gebrannte Vase war Papst Benedikt XII. 1338 vom letzten Yuan-Kaiser als Geschenk gesandt worden.

Blau-Weiß

In der Tradition der frühen Qingbai-Ware wurde auch das Blau-Weiß-Porzellan mit transparenter Glasur versehen. Die blaue Farbe besteht aus einem Gemisch aus Cobaltoxid und Wasser und wurde auf das Porzellan vor der Glasierung und dem Brennvorgang aufgetraDie verschiedenen Blautöne erlauben Rückschlüsse auf die geographische Herkunft des Kobalts und erleichtern dadurch die Datierung: Zunächst importierte man den Farbstoff aus Persien, Sumatra und Malaya, ab dem 16. Jahrhundert dagegen aus Chinesisch-Turkestan, gegen Ende der Ming-Dynastie entdeckte man schließlich noch zentraler gelegene Vorkommen in den Provinzen Jiangxi, Guangdong und Zhejiang.

Das erste Blau-Weiß-Porzellan in Unterglasurtechnik soll in der Tang-Dynastie entstanden sein. Aus dieser Zeit sind lediglich drei vollständige Stücke enthalten, jedoch wurden in der Nähe von Yangzhou (Provinz Jiangsu) auf das 8. oder 9. Jahrhundert zu datierende Scherben ausgegraben. In den 1970er Jahren fand man in Zhejiang, Jiangsu und Jiangxi mehrere Blau-Weiß-Schalen aus der Song- und Yuan-Dynastie. Seine Blütezeit erlebte der Stil aber erst in der Ming-Dynastie; insbesondere die geradezu sprichwörtlich gewordene „Mingvase“ prägt die europäische Vorstellung von chinesischer Porzellankunst in besonderem Maße.

Beim Dekor herrschten zunächst vor allem geometrische, ornamentale und florale Motive vor, in geringerem Umfang auch Drachen, Vögel und Fische. Im 15. Jahrhundert nahm die Dichte des Dekors ab, dafür legte man größeren Wert auf eine Gliederung in ein Zentralmotiv und peripherere Ornamentbänder und -friese. Mitte des 16. Jahrhunderts etablierten sich neben dem klassischen Dekorschatz schließlich auch Landschaftsmotive, Szenen aus dem Hofleben und der daoistische Geisteswelt sowie Darstellungen aus Werken der klassischen Literatur.

Porzellan der drei großen Qing-Kaiser

Von 1662 bis 1796 beherrschten China lediglich drei Kaiser: Kangxi, Yongzheng und Qianlong. Die Periode gilt als letzte große Blütezeit der klassischen chinesischen Kultur und hat auf dem Gebiet der Porzellankunst Bedeutsames hervorgebracht: Während man einerseits Herstellungstechnik der Ming-Dynastie für das Porzellan selbst beibehielt, neigte man aber verstärkt zu Überglasur-Dekor. Auch kam es zu einer beträchtlichen Erweiterung der Farbpalette: An die Stelle des Blau-Weiß-Stils trat in der Regierungszeit Kaiser Kangxis eine ganze Reihe von Stilrichtungen:

  • famille verte, bei der die namensgebende grüne Farbe hauptsächlich durch Eisenrot ergänzt wurde
  • famille rose, die hauptsächlich Rosa- und Purpurtöne verwendet und das ganze 18. Jahrhundert über dominierend bleiben sollte.
  • famille jaune, eine Abwandlung der famille verte mit gelbem Untergrund
  • famille noire, die mit schwarzem Untergrund arbeitet

Beim Dekor wandten sich die Künstler in noch stärkerem Maße figürlichen Darstellungen zu. Beliebt waren etwa Blumen (Päonie, Lotus), Vögel (vor allem Phönixpaare), Goldfische und Insekten (Zikaden, Libellen). Auch wurden häufig detailreich Szenen aus der chinesischen Geschichte, Mythologie und Literatur wiedergegeben; genannt seien etwa der Roman Der Traum der roten Kammer sowie die daoistische Gottheit Königinmutter des Westens.

Eklektizismus der späten Qing-Zeit

Nach dem Tode Qianlongs verfiel im Zuge des schleichenden Niedergangs der klassisch-chinesischen Kultur auch die Porzellankunst. Vielfach huldigte man einem an das Vorbild früherer Perioden anknüpfenden Eklektizismus. Bereits unter Kaiser Jiaqing war eine gewisse Formalisierung der Gestaltung insbesondere durch mechanische Wiederholung bestimmter immer gleicher Dekorelemente zu beobachten; künstlerische Originalität wich zunehmend bloßem handwerklichem Können. Die Aufglasurfarben verlieren an Tiefe, Glanz und Transparenz; das Rosa der klassischen Qing-Palette gerät zunehmend violett.

Während des eklatanten Verfalls der kaiserlichen Macht in der Daoguang gehen die Bestellungen des Pekinger Hofs auch quantitativ zurück. Vielerorts verlegten sich die Manufakturen deshalb auf die Produktion preisgünstigeren Gebrauchsgeschirrs. Gleichwohl wurden etwa Stile der Ming-Zeit wieder aufgegriffen und weiterentwickelt. 1853 zerstören die marodierenden Truppen des Taipingaufstands die traditionsreiche Fertigungsstätte Jingdezhen.

Unter der von 1862 bis zum Sturz der Dynastie 1911 reichenden Regentschaft der Kaiserinwitwe Cixi steigt die Produktion allgemein wieder an, freilich ebenfalls ohne besondere Originalität zu entwickeln. Charakteristisch ist die steigende Wertschätzung der Dekorfarbe Gelb sowie das bereits unter Yongzheng vereinzelt angetroffene sog. „übergreifende Dekor“: Einzelne Dekorelemente werden von der Außenwand des Gefäßes über den Rand teilweise bis ins Innere fortgeführt. Nach der Jahrhundertwende leitete Cixi zaghaft eine strukturelle Neuausrichtung der Porzellanproduktion ein, die neben halbstaatlichen Manufakturen auch eine stärkere Industrialisierung der Produktionsabläufe vorsah.

20. Jahrhundert

Nach dem Sturz der Qing-Dynastie 1911 und der Ausrufung der Republik konnten die Porzellankünstler infolge des Wegfalls der kaiserlichen Produktionsvorschriften freier arbeiten. Dies führte zum einen dazu, dass nunmehr das Dekor der Stücke nicht mehr abschnittsweise von verschiedenen Malern erstellt wurde, sondern nunmehr häufig jeweils aus der Hand eines einzigen Künstlers stammte, der die Stücke auch namentlich signieren durfte. Auch passte er das Dekor nicht mehr der bis dahin dominanten Gefäßoberfläche an, sondern trug es auf wie auf gewöhnlichen, ebenen Malgrund. Der allgemein zu beobachtenden Industrialisierung der Produktionsprozesse stand damit in der chinesischen Porzellanherstellung ein hierzu völlig konträrer Trend zur Individualisierung gegenüber.

Ein letzter Aufflammen erlebte die traditionelle kaiserliche Porzellanproduktion, als sich Yuan Shikai 1915 letztlich folgenlos zum Kaiser ausrufen ließ, aber sogleich 40.000 Stücke mit seiner Regierungsdevise „Hongxian“ in Auftrag gab.

Nach 1917 schließlich wuchs die Produktion quantitativ stark an, im ganzen Land wurden neue Manufakturen gegründet, wobei freilich mittlerweile weitaus überwiegend Gebrauchsgeschirr hergestellt wurde. Für die Oberschichten produzierte man zudem Kopien alten Hofporzellans sowie Stücke, deren Dekor im westlichen Stil gehaltene Gemälde des jesuitischen Hofmalers der Qing-Kaiser, Giuseppe Castiglione integrierte. Die Qualität der verwendeten Farben stieg, nicht zuletzt dank aus Deutschland importierter Industrie-Pigmente.

Auswirkungen auf den Westen

Die chinesische Porzellankunst wurde von Europa in einem Maße rezipiert wie kaum ein anderer Teil der chinesischen Kunst. Zunächst waren es die Portugiesen und Spanier, die in größeren Mengen vor allem chinesisches Porzellan nach Europa verschifften. Bereits König Philipp II. von Spanien besaß eine Porzellansammlung von mehr als 3.000 Stück. Im 17. Jahrhundert ging der Ostindienhandel indes zunehmend in die Hände der Holländer und Briten über. Von den niederländischen Häfen aus wurden Fürstenhöfe in ganz Europa insbesondere mit dem beliebten Blau-Weiß-Porzellan versorgt. Es diente nicht nur als Gebrauchsgeschirr, sondern erfreute sich auch als Kaminaufsatz oder Ausstattung für die berühmten „Porzellankabinette“ der europäischen Schlösser großer Beliebtheit. Teilweise wurde in China Porzellan speziell für den Export (Chinesisches Exportporzellan) oder sogar auf Bestellung europäischer Auftraggeber nach deren Wünschen und Vorgaben (Chinesisches Auftragsporzellan) gefertigt.

Sehr bald versuchte man in Europa auch, das chinesische Porzellan nachzuahmen. Erste Versuche sind bereits für das Italien des späten 15. Jahrhunderts belegt, wobei es sich beim Endprodukt wohl mehr um ein milchiges Glas gehandelt haben dürfte. Später beeinflusste das Blau-Weiß-Porzellan die europäische Fayence-Kunst, insbesondere die Produktion der Delfter Manufakturen. Die Herstellung richtigen Porzellans gelang indes erst 1709 dem am Hofe Augusts des Starken in Dresden tätigen Johann Friedrich Böttger. Im Laufe des 18. Jahrhunderts entstanden daraufhin Manufakturen u.a. an allen führenden Fürstenhöfen des Kontinents (nach Meißen u.a. Wien, Sèvres, Nymphenburg, Kopenhagen, Neapel u.a.). Später wurde Porzellan schließlich zum selbstverständlichen Teil der europäischen Alltagskultur.

Um Jingdezhen-Porzellan zu bestellen, klicken Sie bitte hier.


[1] Nach neuesten Erkenntnissen sind die ältesten Spuren chinesischer Keramik rund dreizehntausend Jahre alt und somit die ältesten der Welt.
[2] Der englische Begriff china für Porzellan existiert etwa seit rund vierhundert Jahren. Es wurde verkürzt aus dem ursprünglichen Begriff china-ware, was zunächst einfach “Waren aus China” bedeutete. Es wurde schließlich zu “china” verkürzt und findet sich seit dem 17. Jahrhundert in der Bedeutung für “duchsichtige Töpferarbeiten”, gemeint ist Porzellan. china oder chinaware ist ein Synonym für Porzellan (porcelain), bes. für sehr feines und dünnes Porzellan.
[3] Jingdezhen, Stadt der Jingde-Periode, 景德鎮市, hieß ursprünglich – bis zum Jahr 1004 – Changnanzhen昌南鎮. Andere Quellen sprechen von weiteren Namen wie Xinping(zhen) und Taoyang(zhen). “Jingde” war die Periode von 1004 bis 1007 während der Nördlichen Song-Dynastie. Der Song-Herrscher Zhao Han (andere Quellen sprechen von Sheng Zong) hatte in dieser Zeit einen Vertrauten in die neue Kaiserliche Porzellanmanufaktur geschickt, um das für die kaiserliche Familie bestimmte Porzellan zu überrüfen. Auf jedes dieser Stücke wurde der Begriff “Hergestellt in der Jingde-Periode” aufgetragen. So wurde dieses Symbol zu einer Art Gütesigel, zum Inbegriff für qualitativ hochwertiges Porzellan und aus Changnanzhen wurde nun Jingdezhen.

[4] Oder auch “der verblichene Glanz”; engl. the lost glory; chin. 逝去的辉煌.