Chinesische Teekultur – Chronik Teil 1

Chinesische Teekultur – Chronik Teil 1
Version 3.2, 10 Oktober 2012
Man trinkt Tee,
damit man den Lärm der Welt vergisst.

(frei nach Lin Yutang, 1895-1976 )

Vorwort

Die Geschichte des Tees ist lang und könnte durchaus so beginnen: Es war einmal ein weiser König, der eines Tages … Die Rede ist von „Shén Nóng“, einem der drei Urkaiser Chinas, dem Kräuterpapst und Patron der Landwirtschaft. Es gibt zahlreiche weitere Namen und viele Attribut, die Shennong zugeschrieben werden. Schon alleine diese Tatsache zeigt, dass sich Einzelheiten der Anfänge der Teegeschichte im Dunkel der Geschichte Chinas verlieren. Diese Anfänge sollen rund 5000 Jahre zurückreichen und werden der Nachwelt nur in Legenden und Mythen überliefert.

Es gibt aber einige (China-)Kritiker, die diese Datierung nicht zulassen und sogar von „Teechauvinisten“ reden wenn die Sprache auf die Geschichte des Tees und die chinesische Teekultur kommt[1]. Allerdings geht es hier jedoch nicht um eine exakte Bestimmung eines Entstehungsdatums. Und wenn häufig das Jahr 2737 v.Chr. erwähnt wird, so ist das auch eine unzulässige oder zumindest zweifelhafte Datierung. Die früheste Geschichte der Teekultur ist Mythologie[2], ebenso wie die früheste Geschichte Chinas, aber auch wie die Geschichte der Genesis, die Anfänge der griechischen Kultur, der römischen, keltischen oder der germanischen Geschichte. Erst durch später erlernte Techniken wie die Schriftsprache, der Buchdruck Druck etc. werden die „alten“ Geschichten und Sagen, die sich bis dahin weitgehend mündlich übertragen haben, aufgeschrieben und der Nachwelt „vererbt“. Gleichwohl sind sie als „Ur“-Geschichte(n) historisch relevant. Sie sind ebenso wertvoller wie sinnvoller und fester Bestandteil einer Kultur – ob es einem ins Weltbild passt oder nicht. Das gilt besonders dann, wenn man einen langen Leidensweg durchwandert hat wie die Chinesen in den vergangen 120 Jahren und versucht, seine Identität wiederzuerlangen. Als aufgeklärte, differenziert denkende Menschen wissen wir, dass sich in diesen Mythen und Legenden vieles verklärt, und dass sich bisweilen die Entwicklung von Jahrhunderten in einzelnen „Personen“ und Geschichten oder Ereignissen zuspitzen; das ist auch bei Siegfried, Kriemhild und Hagen von Tronje nicht anders. Interessant an Ihnen ist vielmehr  das „Dahinter“, die Strukturen hinter den Geschichten und den Personen, die uns wertvolle Anhaltspunkte für die Entwicklung in diesen Frühphasen der Menschheitsgeschichte und der Geschichte einzelner Kulturen liefern und die – Gott oder Buddha sei Dank – von einer modernen und aufgeklärten Geschichtsforschung auch als solche ernst und als Ausgangspunkt für weitere Forschungen genommen werden.

In diesem Sinne sind auch diese wie viele andere Darstellungen der ersten ein- bis zweitausend Jahre der Teegeschichte zu verstehen. Und, ehrlich gesagt, die trockenen Geschichtsfakten werden dadurch doch auch ein wenig unterhaltsamer, oder? Und genau das möchte diese Chronik wie alle Aktivitäten des Chá Dào – China Tea & Art, dass Sie Freude am Tee und den vielen schönen Teeaccessoires haben, das Sie die chinesische Teekultur für sich entdecken und sie Ihnen einen Ausgleich zum hektischen Alltag bietet.

Reichelsheim, im Oktober 2012, Ihr Chá Dào-Team

Von den Urkaisern bis zu Qin-Dynastie – Tee als Heilmittel und Tributtee

Tee, das bei weitem wichtigste Getränk in China, hat eine sehr lange Geschichte und Tradition. Die Anfänge reichen vermutlich rund fünftausend Jahre zurück. Doch die Ereignisse verlieren sich im Dunkel der frühbronzezeitlichen Geschichte Chinas und werden der Nachwelt nur in Legenden und Mythen überliefert. Einer solchen Legende nach habe der Kräuterpapst und Patron der Landwirtschaft Shén Nóng den Tee entdeckt.

Shén Nóng oder auch Shén Nóng Shí (wörtlich der Göttliche Bauer, 神农, 神农氏)[3] war einer der Großen der chinesischen Mythologie, der zusammen mit Urkaiser Fú Xī (伏羲)[4] und dem Gelben Kaiser Háng Dì ( 黄帝) noch heute als Urahn der Han-Chinesen geehrt wird. Mit ihnen beginnt eine sich langsam entwickelnde chinesische Kulturgeschichte und gleichzeitig auch die Geschichte der Teekultur.

Shén Nóng gilt als „Urheber“ des ältesten Buches über Heilpflanzen und Ackerbau überhaupt, des Shén nóng běn cǎo jin, „Des Göttlichen Bauern Buch über die Wurzeln und Kräuter“ (神农本草经). Dieses klassische Werk wurde erstmals in der Westlichen Han-Dynastie, im 3. Jahrhundert  v. Chr., schriftlich in einem dreibändigen Werk zusammengestellt. In ihm werden Anweisungen zum Ackerbau gegeben und es finden sich Beschreibungen verschiedene Kräuter und ihrer Substanzen und Wirkungen, auch diese: Tee schmeckt bitter. Ihn zu trinken, führt aber dazu, schneller zu denken, sich geschmeidiger zu bewegen und klarer zu sehen – sozusagen ein bronzezeitlicher Gesundheitsratgeber.

Aus der Zeit Shennongs gibt es also keinerlei unmittelbare schriftliche Aufzeichnungen. Dennoch werden uns mehrere Legenden über die Entdeckung des Tees überliefert. Einer der häufig zitierten Legende zufolge entdeckte Shennong den Tee als er sich auf einer seiner Exkursionen ausruhte und seinen Durst zu löschen beabsichtigte. Unter einem ihm unbekannten Baum sitzend kochte er Wasser als zufällig Blätter dieses Baumes ins heiße Wasser fielen. Beeindruckt vom angenehmen Geschmack und einer anregenden Wirkung nahm Shennong den Tee in die Liste seiner Heilpflanzen auf.

Eine andere Geschichte erzählt, Shennong habe – möglicherweise in einer kritischen Phase als durch eine Seuche das Leben vieler Menschen oder sogar des gesamten Stammes bedroht war -, unzählige Kräuter auf ihre heilende Wirkung in zahllosen Selbstversuchen probiert. Vom Verzehr so vieler unbekannter Pflanzen[5], die bisweilen unbekömmlich oder auch giftig waren, wurde ihm oft derartig unwohl, dass er stets auch auf der Suche nach geeigneten Gegenmitteln war. So soll er die Blätter des Teebaumes entdeckt haben, die ihn von einem Unwohlsein heilten. [6]

Die Jahrhunderte bis zur Gründung des ersten chinesischen Einheitsreiches in der Han-Dynastie (206 v. – 220 n.Chr.) bleiben zwar weitgehend mythenhaft im Dunkeln der Geschichte verborgen. Anzunehmen ist aber, dass Tee zwar langsam als Getränk entdeckt wurde, doch andererseits auch noch lange als Heilmittel galt. Als solches gelangte es wahrscheinlich auch in der Dynastie der Westlichen Zhou (1045 – 771 v.Chr.) an den Hof des König Wu. Dem Buch Zhōu lǐ (周礼) zufolge, einem Ritualbuch aus der Zhou-Dynastie, gab es bereits damals ein eigenes Amt für die Teezubereitung. Es gibt außerdem Hinweise, dass bereits ab dem 12. vorchristlichen Jahrhundert erste Teesträucher gepflanzt wurden. Anfangs soll dieser Tee allerdings ausschließlich für den Hof als Tributleistung bestimmt gewesen sein.

Heute wissen wir auch, dass bis zur Zeit der Qin (221 – 207 v.Chr.) der Genuss von Tee schwerpunktmäßig in den Gegenden der Zhou-Vasallenstaaten Shu und Ba lag, das entspricht etwa dem Bereich der heutigen Provinzen Sichuan, Chongqing sowie der Norden von Yunnan und Guizhou. Die Shu und Ba spielten im Reich der Zhou eine bedeutende Rolle, da sie König Wu, dem ersten Herrscher der Zhou, zum Sieg über die Shang-Dynastie (1600 – 1045 v.Chr.) verhalfen. In den „Annalen des Staates Huayang und den Annalen von Ba“ heißt es dazu, dass der Stammesführer der Ba, den Titel eines Herzogs führen dürfe und das Volk der Ba Tributgeschenke bestehend aus „… roter Farbe, Seide, Honig und Tee …“ an den Hof der Zhou zu schicken habe.[7]

Die älteste erhaltene schriftliche Aufzeichnung des „alten“ Zeichens für Tee stammt aus der ältesten erhaltenen chinesischen Enzyklopädie ist das Er Ya (), das  zwischen 220 v.Chr. und 220 n.Chr. kompiliert wurde. In diesem frühen Nachschlagewerk wird der Begriff jia aufgeführt, der ein Bittertee sei, ku tu (wörtlich bittere Teeblätter), wobei tu das alte Zeichen für Teeblätter ist. Daraus kann man durchaus schließen, dass Tee damals immer noch vorwiegend als Heilmittel benutzt wurde.[8] Übrigens wird der sogenannte Bittertee (Ilex latifolia) auch heute noch als tu bezeichnet. Er ist aber eigentlich kein Tee, da er nicht von der Camellia sinensis abstammt[9] und dem Tee lediglich ähnlich sieht.

Von der Han- bis zur Sui-Dynastie – Tee wird als Getränk neu entdeckt

Sicher ist, Tee wurde immer bekannter und beliebter. Während der Dynastie der Han waren besonders die Literaten leidenschaftlich dem Tee zugetan. Besonders in den Werken von Sī Mǎ Xiāng Rú (179 -117 v.Chr., 司马相如) und Yáng Xíong (53 v.Chr. – 18 n.Chr., 扬雄) finden sich zahlreiche „Teestellen“. Sima soll sogar einen kleinen Laden betrieben haben, in dem er gemeinsam mit seiner großen Liebe, der Dichterin Zhuo Wenjun, Tee vertrieben haben könnte. Während der Jin-Dynastie (265 – 420 n.Chr.) schrieb der bekannte Dichter Zhang Zai (张载) in seinem Gedicht  Deng cheng du bai tu lou (Auf dem Weg zum Hasenturm in Chengdu, 登成都白菟楼): Wenn ich Tee trinke, denke ich an die großen Dichter Yang Xiong und Sima Xiangru und ihre schönen Verse. Hier wird deutlich welchen Stellenwert zu jener Zeit Tee unter den Dichtern hatte.

Die Bedeutung des Tees während der Han-Dynastie belegen aber auch einige archäologische Funde, etwa der in der Grabanlage Mǎ Wáng Duī  (马王堆 vermutlich im 2. Jh. v.Chr. angelegt) in der Provinz Hunan , in der 1972 eine Kiste mit Tee als Grabbeigabe gefunden wurde. Bei einem Fund in Jiangling in der Provinz Hubei im Grab des König Wan Di (202 – 157 v.Chr., 漢文帝, eigentlich Liu Heng, 劉恒, regierte 179 – 157 v.Chr.) fanden sich ebenfalls Hinweise auf den Tee und seine Bedeutung.

Neben diesen Erfolgen bei Ausgrabungen von Kultstätten der Han-Zeit ist in der Geschichte des Tees ein aus dem Jahre 59 v.Chr. stammendes Dokument aufschlussreich, das als früheste verlässliche Erwähnung des Tees als Getränk gilt. In einer rhythmischen Prosa mit dem Titel „Ein Abkommen mit meinem Diener“ handelt es sich um eine Art Angestelltenvertrag des Beamten Wang Ziyuan mit seinem Bediensteten. In dem Dokument beschreibt ein gewisser Wang Bao aus Zizhong in Sichuan  die Pflichten des Dieners. Diese bestanden vor allen Dingen darin, Tee auf dem Markt von Wuyang (heute Pengshan in Sichuan) einzukaufen, Tee zu bereiten und das Teegeschirr zu pflegen. Damals wurde der Tee also bereits als Ware auf dem Markt angeboten, und es gab bereits spezifische Utensilien zum Kochen und Trinken von Tee. Tee war in dieser Zeit also auch dem breiten Volke zugänglich und wurde immer beliebter. Richtig populär jedoch wurde der Tee erst zur Zeit der Drei Reiche (220 bis 280 n.Chr.) und während der Südlichen und Nördlichen Dynastien (220-581).

Gründe, warum Tee immer beliebter wurde, gab es zahlreich; einer unter vielen anderen ist, dass Tee manchem Zeitgenossen nicht nur besser schmeckte als Wein sondern er vor allen Dingen auch viel bekömmlicher war. Dazu eine weitere kleine Geschichte aus der so anekdotenreichen Geschichte der chinesischen Teekultur: Sun Hao (242 – 284), vierter Kaiser der Wu zur Zeit der Drei Reiche war ein Genießer und dem Wein sehr zugeneigt. Er brüstete sich stets damit, dass er alle seine Minister unter den Tisch trinken konnte. Der Minister Wei Yao jedoch vertrug keinen Alkohol. Heimlich wurde ihm stattdessen Tee eingeschenkt. Diese kleine Anekdote stammt aus dem wichtigen Dokument San guo zhi (三國志, Geschichte der Drei Reiche, 220 – 280), und diese Episode ist Bestandteil der dort beinhalteten Biographie des Wei Yao, die in die Jahre 264 bis 273 zu datieren ist.

Erste schriftliche Aufzeichnungen über die Verarbeitung des Tees stammen aus dem dritten Jahrhundert. Zhang Ji schrieb in seinem Guang ya, eine Textexegese zu frühen chinesischen Schriften, die Bewohner von Jing und Ba sammeln Tee und pressen sie zu Teekuchen, die an der Sonne getrocknet werden. Der Teekuchen wird anschließend mit Reispaste gekocht. Man weiß heute, dass vor der Zubereitung die Teekuchen geröstet wurden bis sie eine rötlich-braune Farbe annahmen. Anschließend wurde der Tee in einer Steinmühle zu Pulver zermahlen und in einen Porzellankessel gegeben. Darauf wurde kochendes Wasser geschüttet und mit Zwiebeln, Lauch, Ginger oder auch mit Mandarinen „verfeinert“.

Auch wenn sich nun allmählich das Anbaugebiet der Teepflanze entlang des Jangtse weiter in den Osten des Reiches erweiterte, das Zentrum der Tee-Produktion und des Tee-Handels blieb weiterhin der Südwesten Chinas. Der erste Teegarten wurde im Jahre 53 v.Chr. während der Westlichen Han-Dynastie (206 v.Chr. – 8 n.Chr.) im heutigen Sichuan angelegt. Ein junger Bauer namens Wu Li Zhen im Bezirk Men(g)shan in der Präfektur Ya’an in der Provinz Sichuan pflanzte neben einigen Gingko-Bäumen sieben oder acht Teebüsche – auch die „göttlichen“ Teesträucher genannt.  Der Teegarten existiert noch heute, ebenso die Gingko-Bäume, mit deren Hilfe man das Datum genau bestimmen konnte. Wu Li Zhen gilt somit als Begründer oder Urahn der chinesischen Teekultivierung und Teekultur. Den hinteren Teil des wunderschönen Parks des Nationalen Chinesischen Teemuseums in Hangzhou – ein Besuch sei allen Teeenthusiasten wärmstens empfohlen – ziert eine mannsgroße Statue Wu Li Zhens mit der Inschrift „The ancestor of tea“ (Der Urahn des Tees).

Als ein weiterer bedeutender Förderer der Teekultivierung gilt Zhū Gě Liàng (诸葛亮, 181-234), der besonders unter dem Namen Kong Ming (孔明) bekannt ist. Er war Politiker und Diplomat, Kanzler unter Liu Bei während der Wei-Dynastie (220 – 265), dem König von Shu während der Zeit der Drei Reiche (220-280). Er gilt als der berühmteste und genialste Stratege und Taktiker der chinesischen Geschichte und wird als Weiser verehrt; Zhu Ge Liang setzte sich entschieden für die Kultivierung von Teepflanzen ein; heute noch werden ihm zu Ehren alte Teebäume in der Provinz Yunnan als Kong-Ming-Bäume bezeichnet.

Übrigens werden in einer Schrift aus der Östlichen Han-Dynastie (25-220), dem Tong Jun Lu, werbereits sechs Anbaugebiete in China beschrieben.

Während der Östlichen Jin-Dynastie (317-420) schrieb der Dichter Guō Pú (郭璞, 276-324); in seinen Anmerkungen zum Er Ya[10] über den Teebaum, dass er so klein sei wie eine Gardenie. Die Blätter, die auch im Winter wachsen, so fuhr er fort, können gekocht und als Suppe getrunken werden.

Von den vielen begeisterten Anhängern des Tees jener Zeit sei lediglich noch Lu Na erwähnt, ein getreuer Beamter, der als Gouverneur von Wuxing während der Östlichen Jin sogar auf sein Gehalt verzichtete. Anlässlich eines Besuches des General Xie An vom Staat Wei wollte er Tee und getrocknete Früchte servieren lassen. Doch sein Neffe ließ ein üppiges Mahl für den Ehrengast herrichten. Lu Na war außer sich, da der Neffe seine Ehre besudelte.[11] Diese kleine Anekdote zeigt, dass Tee für eine bestimmte Lebensführung stand und als Zeichen für eine bescheidene, naturverbundene und ehrfürchtige Haltung galt. Tee stand für den integren Charakter schlechthin und zeigt hier seine Nähe zum Taoismus, der die Beziehung des Menschen zur Natur in den Mittelpunkt stellt. Lu Quan, ein taoistischer Dichter der Tang-Zeit schrieb über sein Empfinden beim Genuss von Tee: „Eine wohlige Brise schlägt einem entgegen, man hat das Gefühl, als ob Himmel und Erde Heiterkeit atmen. Wenn man sieben Tassen getrunken hat, fühlt man sich wie beflügelt und schwebt leicht wie ein Engel im Himmel.“

Die Teeutensilien in der Frühphase der Teegeschichte waren noch überwiegend multifunktional, z.B. wurde aus einer Schüssel, aus der Tee getrunken wurde, auch Wein getrunken. Erste spezifischere Gegenstände entwickelten sich erst im Laufe der Südlichen und Nördlichen Dynastien (265-581) und der Sui-Dynastie (581-618).


[1] Stellvertretend sei hier Nicolas Zufferey bemüht, Professor an der Universität Genf und Leiter der Abteilung Mediterrane, Slawische und Orientalische Sprachen und Literatur (MESLO), der von „maßloser“ Übertreibung“ und „Tee-Chauvinisten“ redet (cf. Zufferey, Nicolas, Heißgetränk mit Kulturanspruch – Die Tee-Chauvinisten, In: Le Monde diplomatiques Nr. 7482 vom 8.10.2004). In einem wissenschaftlich fragwürdigen Artikel über die Geschichte und Kultur des Tees bemüht er sogar die Tatsache, dass die Städtekultur sowie gesellschaftliche Strukturen bei den Sumer vor 5000 Jahren entstanden sei, um so die Glaubwürdigkeit der Chinesen zu diskreditieren; durch andere Herleitungen stellt er gar die Moral eines ganzen Volkes in Frage. Herrn Zufferey sei entgegnet, dass es die Kultur der Sumer seit Jahrtausenden nicht mehr gibt, die der Chinesen sehr wohl.

[2] Mythologioe von μυθολογια (mythologia) ist das Erzählen (λέγειν legein) von Geschichten (μυθοι mythoi)

[3] Manchen Quellen zufolge auch als Yan Kaiser, Yán Dí, bekannt (炎帝). Möglicherweise ist Shen Nong sogar eine historische Figur, ein Stammesfürst („Kaiser“) einer frühbronzezeitlichen Volksgruppe. Andererseits könnten sich die Geschehnisse jener Zeit in einem oder mehreren „Volkshelden“, den Drei Erhabenen Fú Xī,  Yan Di und Huang Di, „verdichtet“ haben.

[4] Der erste der drei „Urkaiser“, um den sich zahlreiche Legenden ranken. Auf ihn sind angeblich auch das Yi Jing (Das Buch der Wandlungen) und die Acht Orakelzeichen (Acht Trigramme) und damit das Yin und Yang-Prinzip zurückzuführen.

[5] In vielen Quellen wird die Zahl 72 genannt.

[6] Einer weiteren Legende zufolge sei der Tee bei der Suche nach Nahrung entdeckt worden.

[7] Überliefert wurden uns die „Annalen des Huayang-Reiches“ durch Chang Qu, der sie während der Östlichen Jin-Dynastie (317-420) aufzeichnete.

[8] Erst im Laufe der Tang-Periode (618-906) wurde alle früheren Zeichen für Tee (ming, jia, se, chuan und tu) zugunsten des Zeichens chá aufgegeben. Übrigens geschah dies dadurch, dass man den unteren Teil des Zeichens „tu“, das Zeichen „he“ durch das Zeichen „mu“ (Holz) ersetzt hat, was darauf hinweisen soll, dass die Teeblätter auf einem „Holz“stamm wachsen. Cf. Camellia Siow Fei Chuan und Hooi Yoke Lin (Ed.s), A Passage to Chinese Tea,  Kuala Lumpur (Purple Cane Enterprise) 1999.

[9] Über die botanische Herkunft und Aspekte von Tee (Camellia sinensis var. sinensis) sowie über die Ethymologie (cha versus tu) finden Sie auf unserer Homepage www.chadao.de separate Exkurse. Siehe auch Chá Dào Teelexikon.

[10] Guo Pu gab mehrere klassische Texte heraus und versah sie mit Kommentaren.

[11] Cf. Guo Danying und Wang Jiangrong, The Art of Tea in China, Beijing 2007, p. 5, und Wang Ling, Die Chinesische Teekultur, Beijing, 2002, p. 17.