Chá oder tay – Ein Etymologischer Exkurs

Das chinesische Tee-Zeichen aus der Hand eines Kalligraphen

Vieles, teils auch Widersprüchliches ist über Herkunft und Geschichte(n) des Tees zu lesen. Dies ist ganz natürlich bei einer Geschichte die fünftausend Jahre, möglicherweise auch weiter zurück reicht. Und im Laufe der Zeit werde Lücken mit Legenden und Anekdoten ergänzt, so dass man am Ende Wahrheit und Fiktion oft nur noch schwer voneinander trennen kann.

Weitestgehend einig ist man sich heute allerdings darüber, dass China die Wiege des Tees ist, der dort vor 5-6000 Jahren entdeckt und seither kultiviert und in die Welt „exportiert“ wurde. In diesem Kontext ist interessant, wie sich die Begriffe in den einzelnen Sprachen entwickelten, da die phonetische Herkunft gleichsam Rückschlüsse auf den „Export“ des Tees, seinen Transportweg Richtung Westen verweist.

Altes chinesisches Teezeichen

Alle Begriffe für den Tee stammen von den chinesischen Schriftzeichen 茶 (chá) ab.[1] Dieses Bild- bzw. Schriftzeichen oder Symbol bezeichnet einerseits den Tee als Pflanze, andererseits aber auch das Getränk.

Und, sowohl die Namen tea und Tee sowie ihre westeuropäische sprachlichen Varianten tea, thé oder thee als auch die slawisch-asiatischen Wortvarianten tschay, chai, chay und shâi können von dem chinesischen Zeichen 茶 abgeleitet werden.

Die erste Gruppe geht auf die südchinesischen (kantonischen) bzw. südostchinesischen (Fujian-Dialekt), in der Nähe von Shanghai und Xiamen (Amoy) benutzten Dialektwörter tay, te oder t‘e (phonetisch te) zurück. Aus diesen Provinzen gelangte der Tee durch die Engländer und Holländer über den Seeweg zu uns, so dass die Westeuropäer diesen phonetischen Ausdruck in ihren Sprachen übernahmen.

Im Gegensatz dazu stammt die zweite Wortgruppe von der nordchinesischen Aussprache chá aus dem Mandarin, dem „Hochchinesisch“, ab. Von Nordchina aus wurde nämlich der Tee auf dem Landweg über Tibet und die Mongolei nach Westasien, Kleinasien und Ost- bzw. Südosteuropa transportiert.

Auf diese Weise gelangten zwei verschiedene phonetische Varianten des chinesischen Schriftzeichens für den Tee, 茶, nach Europa und Westasien.

Zum Verwechseln ähnlich: chá und tu


[1] Einige Quellen sprechen davon, dass es vor der Tang-Dynastie (618-906) noch ein weiteres Zeichen für Tee gab (tu), das noch einen weiteren Querstrich unter dem Dach trug (siehe Abbildung). Das Zeichen „tu“ bezeichnete aber ursprünglich bitter schmeckende Gemüse, weshalb man mancherorts auch den manchmal etwas bitter schmeckenden Tee damit bezeichnete. Vielleicht war damit aber auch das heute als „Bittertee“ bekannte Getränk gemeint, der botanische nichts mit der Teepflanze 茶 (chá) zu tun hat. Im Laufe der Zeit wurde jedoch der besagte Strich entfernt, und seit Lu Yu wurde eindeutig und ausschließlich nur noch das Zeichen für chá verwendet.