Geschichte und Kultur des chinesischen Tees

Tee, das bei weitem wichtigste Getränk in China, hat eine lange Geschichte und Tradition, die vermutlich rund fünftausend Jahre zurückreicht. Der Legende nach habe der „Kräuterpapst“ und „Vater der Landwirtschaft“ Shen Nong  Shi, – manchen Quellen zufolge „Kaiser“ eines bronzezeitlichen Stammes – die heilende Wirkung des Tees entdeckt als einige Blätter in heißes Wasser fielen, das er gerade trank.

Etwa vom 12. Jh. Vor unserer Zeitrechnung begann man Teesträucher zu pflanzen. Allerdings war anfangs der Tee ausschließlich für den Hof als Tributleistung bestimmt, wo es dem Buch Zhou Li – einem Ritualbuch aus der Westlichen Zhou-Dynastie (1045 bis 771 v.Chr.) zufolge bereits ein eigenes Amt für die Teezubereitung gab.

Erst in der Westlichen Han-Dynastie (206 v.Chr. bis 8 n.Chr.) wurde Tee auch dem breiten Volke auf dem Markt im Gebiet der heutigen Provinz Sichuan angeboten.

Populär wurde der Tee dann zur Zeit der Drei Reiche (220 bis 280 n. Chr.), und spätestens in der Tang-Dynastie (618 bis 908 n.Chr.) war Teetrinken unter Chinesen eine Selbstverständlichkeit.

Während dieser Zeit wurde auch das erste Buch über den Tee überhaupt geschrieben: Lu Yu (733 – 804), einer der ersten großen Teemeister, der schon bald als „Teegott“ verehrt wurde, verfasste das Cha Ching, das „Klassische Buch vom Tee“, ein Buch über die Herkunft und Geschichte, Produktion und Zubereitung samt Zubehör sowie über Teequalitäten und Trinksitten zusammen.

Mit Lu Yus Buch entwickelte sich endgültig eine chinesische Teekultur. Seine Gedanken und Ideen wurden später in vielen Werken über die Teekultur weiter entwickelt. Es wird nun eine Wendung vollzogen: Es steht nicht mehr die Verarbeitung des Tees im Mittelpunkt, vielmehr geht es nun um das Teetrinken selber, um das Genießen des Tees, das nun in einen sozialen und philosophisch-kulturellen Zusammenhang gestellt wird.

Während sich in der Tang-Dynastie am Hofe erste Formen der Teezeremonie entwickelten, so wurde in der nachfolgenden Song-Dynastie ( 960-1279) der Tee von Künstlern und Mönchen weiter im Lande verbreitet. Bald entstanden zahlreiche Teehäuser, in denen sich Literaten ebenso wie einfache Bürger dem Teegenuss hingaben, sich Geschichten erzählten, über die Qualität von Tees diskutierten oder über die Nützlichkeit und Schönheit von Teezubehör schwärmten.

Welchen Stellenwert der Tee damals hatte, mag z.B. verdeutlichen, dass der Song-Kaiser Hui Tsung (1101-1125 n.Chr.) eine Monographie über den Tee, den Da Guan Cha Lun (Abriss über den Tee), verfasste. Tee wurde übrigens zu der Zeit noch, vornehmlich aus Gründen der Aufbewahrung und der Platzersparnis in zum Teil kunstvoll geformten Teekuchen oder Teebriketts gepresst.

Während der Song-Dynastie wurde auch das Porzellan entdeckt, und unter der Regentschaft des Herrschers Jingde wurde das nach ihm benannte Jingdezhen für eintausend Jahre zur unumstrittenen Weltmetropole des weißen Goldes, des china, wie es später im Englischen genannt wurde. Tonkannen wie etwa Yixing-Teekannen wurde übrigens erst seit dem 15. Jahrhundert in größerem Umfange hergestellt.

Während der Mongolenherrschaft (1279-1368), der Yuan, wurde die Teeherstellung vereinfacht und statt der Teekuchen mehr und mehr  Blatt- und Pulvertee sowie auch Mischtees, also Tee mit anderen Zutaten versetzt, hergestellt.

In der darauf folgenden, politisch teils unruhigen Ming-Dynastie wurden besonders Intellektuelle unterdrückt, die ihrerseits in der Beschäftigung mit der Kunst des Tees ihre Ruhe und Seelenheil suchten. Literaten, Maler und Kalligraphen, sie alle trugen zur Weiterentwicklung der Teekultur in China bei. Es wurden mehrere Teebücher verfasst und zahlreiche Bilder entstanden, auf denen Freunde Tee trinkend  einträchtig beisammen sitzen.

In der Qing-Dynastie (1644-1911) schließlich wurde die Teekultur noch intensiver in der chinesischen Bevölkerung verwurzelt. Besonderer Ausdruck dessen war die Eröffnung unzähliger Teehäuser, in den sich Menschen aller Bevölkerungsgruppen und Schichten trafen.

Tee war mittlerweile, nicht zuletzt weil es schon seit langem Brauch war, Tee ausländischen Gästen anzubieten, auch in anderen Ländern bekannt und begehrt. So verwundert es nicht, dass Tee während der Qing-Dynastie in immer größeren Mengen exportiert wurde und infolgedessen auch immer mehr Porzellan.

Zu Zeiten der Republik und anfangs der Volksrepublik gab es eher einen Stillstand in der Teekultur. Doch heute gehört Tee wieder zu den wichtigen Dingen des chinesischen Alltagslebens wie der chinesischen Kultur. Kein Treffen unter Freunden, kein Treffen von Geschäftsleuten und kein Staatsempfang ohne Tee. Und heute ist China mit mehr als 1,2 Millionen Tonnen der bei weitem größte Produzent von Tee, wobei der Teestrauch, Camelia sinensis var. sinensis (s. Tee aus botanischer Sicht), heute in allen südlichen Provinzen Chinas kultiviert wird. Und alle Teesorten – Grüner, Weißer und Gelber Tee, Pu-Erh, Oolong und Schwarztee – stammen aus den Blättern dieses Teestrauchs. Die verschiedene Teesorten unterscheiden sich lediglich durch ihre Herkunft und den Grad der Fermentierung.