Yixing – Zisha – Teekannen

Die Stadt Yixing

Die früher Yang Xian genannte Stadt Yixing (宜兴市, Yíxīng Shì) liegt rund 120 km westlich von Shanghai in der ostchinesischen Küstenprovinz Jiangsu. Die kreisfreie Stadt am westlichen Ufer des Tai Hu, des „Großen Sees“, hat etwas mehr als eine Million Einwohner, von den rund eine Viertel Million im verstädterten Bereich leben.

Schon vor Jahrhunderten in der Song- und Ming-Dynastie entwickelte sich das Mündungsgebiet des Yangtsekiang zu einer äußerst wohlhabendsten Region, in der viele vermögende Händler und höher gestellte Beamte wohnten. Zahlreiche Flüsse und Kanäle förderten das Wirtschaftswachstum, da auf ihnen Waren schnell und günstig transportiert werden konnten. Nicht selten förderten die Händler als Mäzenen Künstler und Kunsthandwerker, und so entwickelte sich das Gebiet zwischen Nanjing, Shanghai und Hangzhou zunehmend zu einem kulturellen Zentrum.

In seinem Zentrum, am Westufer des Großen Sees, liegt Yixing, wo seit der Ming-Dynastie die berühmten und begehrten Teekannen aus einem rötlich-braunem Tongestein, Zisha (Purpur-Erde) genannt, hergestellt werden: die äußerst  kostbaren und für den Liebhaber chinesischer Tees unentbehrlichen Yixing- oder Zisha-Teekannen.

Ähnlich wie Jingdezhen als Metropole der Porzellanherstellung galt Yixing als der Inbegriff für die in der Region gefertigten Tonwaren. Jedoch anders als Jingdezhen gilt Yixing durchgehend bis heute noch als das unumstrittene Zentrum für die Herstellung qualitativ hochwertiger Tonkannen, die nicht selten Preise im vier- oder fünfstelliugen Eurobereich erzielen.

Eine kleine Geschichte der Yixing-Teekanne

Die ältesten archäologischen Funde aus dieser Region sind etwa fünftausend Jahre alt. Sie belegen, dass hier bereits in der Jungsteinzeit Keramiken aus der berühmten rötlich-braunen Zisha-Tonerde gefertigt wurden. Allerdings stammen die ersten Töpferarbeiten nicht aus dem heutigen Stadtgebiet von Yixing sondern aus den benachbarten Ortschaften Ding und Shu, die 1950 zu der heutigen Gemeinde Dingshuzhen zusammengelegt wurden.

Die ersten Teekannen aus Zisha wurden vermutlich in der frühen Ming-Dynastie (1368 bis 1644) hergestellt. Es soll ein unbekannter Mönch gewesen sein, der die erste Teekanne aus Zisha-Ton mit der Hand formte. Angeblich seien 1976 gar Schriftstücke gefunden worden, wonach die erste Teekanne möglicherweise sogar bereoits in der Song-Dynastie hergestellt wurde (was aufgrund der Geschichte der Teekultur und der Geschichte der Teezubereitung als eher wenig plausibel gilt).

4Zuvor wurden jedoch bereits andere Keramiken wie Krüge, Bonsaischalen, Ess- und Kochgeschirr  sowie andere Gefäße und Skulpturen aus dem rötlich-braunen Zisha-Tonstein hergestellt. Später jedoch wurde – besonders wegen der besonderen Eigenschaften des Tons – das immer knapper werdende (authentische) Zishagestein vorwiegend für die Herstellung von Teezubehör, Teekannen allen voran, benutzt.

Zum endlichen Durchbruch der Zisha-Kannen kam es in der Dynastie der Ming (1368 bis 1644), was schließlich einher ging mit der Einführung der sogenannten Blatttees. Bereits damals schon fanden die seltenen Stücke wohlhabende Sammler, die einerseits die praktischen Vorzüge und anderseits die schlichten aber sehr harmonischen Formen einer perfekten Yixing-Teekanne zu schätzen wussten, was in einem besonderen Einklang mit der daoistisch, buddhistisch udn konfuzianisch geprägten chinesischen Teekultur steht. Viele der heute noch gebräuchlichen Formen gehen auf jene erste Blütezeit der Yixing-Teekannen vor mehr als fünfhundert Jahren zurück.

Teekannen wurden zu jener Zeit auch immer beliebter und gesuchter, da sich – wie bereits erwähnt – auch die Sitte der Teezubereitung und des Teetrinkens geändert hatte. War das Teetrinken zuvor bei Hofe und in den besseren Kreisen sowie unter Literaten eine eher umständliche Prozedur – für die man übrigens fast ausschließlich Teezubehör aus Porzellan verwendete -, wurden nun anstatt der gepressten Tees die losen Teeblätter in einem Gefäß mit gekochtem Wasser zubereitet. Anschließend wurde der Tee direkt oder über eine Ausschank- oder Servierkanne in Tassen geschüttet, die Teeblätter selber wurden nicht mehr mitgetrunken. Stattdessen wurde der Tee aber nun mehrfach aufgegossen. Für diese Art des Teetrinkens benötigte man Teekannen – oder einen Gaiwan-, und dafür eignete sich ganz besonders die sog. Zisha- oder Yixing-Teekannen.

Einen nächsten besonderen Schub erfuhr die Zisha-Kunst seit Mitte der Ming-Dynastie (1368-1644), besonders seit der Jiajing-Periode (1521-1567). Natürlich hat die – wie duie Teekultur – die Zisha-Kanne ihre Ursprünge auch in der traditionellen Kultur Chinas. Doch entwickelte und entwickelt sich im Laufe der Zeit im Rahmen der chinesischen Teekultur Chá Dào gewrade auch mit diesen besonderen Teeutensilien ein ganz eigener und umfassender Kunststil.

In der Qing-Dynastie (1644-1911) entwickelte die Zisha-Kunst, immer in einer engen Beziehung zur politischen und wirtschaftlichen Entwicklung stand, weitere Blütezeiten. Während das Formen- und Ausdrucksrepertoire in der Kang Qian-Periode (Kangxi-Qianlong, 1662-1796) von Großzügigkeit geprägt war, wurde es in der Jia Dao-Periode (Jiaqing-Daoguang, 1796-1820) ganz anmutig, gegen Ende der Qing-Dynastie jedoch melancholisch und deprimiert. Offensichtlich ist es zu Zeiten von Kriegen, Kämpfen und Hungersnot auch für bildende Künstler und besonders für Zisha-Künstlern problematisch, sich unbeschwert ihrer Kunst zu widmen. So ist zu wohl zu erklären, dass die berühmtesten Zisha-Künstler in Zeiten von Wohlstand und innerem wie äußerem Frieden lebten.

Da es in vielerlei Hinsicht – nach vielen Rückschlägen seit dem 19. Jahrhunderts – auch heute wieder zu einem bescheidenden Wohlstand gekommen ist, entwickelte sich auch nach Kulturrevolution und der Öffnung Chinas eine kleine Renaissance in der Zisha-Kunst.

Der künstlerische und kulturelle Stellenwert der Zisha-Kunst ist von tiefer Bedeutung, weil sich andere Kulturarten (Poesie, Kalligraphie, Malerei) in vielfältiger Form in den Meisterstücken vereinen. Zisha-Kannen stehen besonders mit der Teekultur Chá Dào und den philosophischen Strömungen des Buddhismus, Daoismus und Konfuzianismus in einer engen Wechselbeziehung und tragen somit die Gene der chinesischen Nationalkultur in sich – sie haben Symbolcharakter für die chinesische Kultur.

Yixings Töpherhandwerk heute

Heute gibt es in und um Yixing einige hundert Handwerks- und Industriebetriebe sowie hunderte unabhängiger Yixing-Töpfer und Künstler. Die meisten Betriebe heute haben sich auf eher dingliche und technische Tonwaren spezialisiert wie etwa Bonsaischalen, Blumenkübel, Vasen, Figuren oder Dachziegel , Tonrohre usw. Die kunstvollen Zisha-Teekannen jedoch werden eher in kleinsten Manufakturen oder in kleinen Ateliers hergestellt.

Größe, Form und Funktionalität der Zisha-Teekannen

Zunächst ist der unbedarfte Betrachter aus „dem Westen“ sehr erstaunt, dass Zisha-Teekannen relativ klein sind – es gibt Kannen mit einem Volumen von rund 50 ml. Der Grund ist einerseits, dass in der chinesischen Teezeremonie immer nur wenige, heiße Schluclke zubereitet und getrunken werden (dafür werden die Tees immer wieder aufgegossen), so dass kleine Kannen  (im Durchschnit rund 200 ml) grundsätzlich ausreichen. Andererseits soll es früher manchmal auch durchaus üblich gewesen sein, dass Teeliebhaber direkt aus einer Teekanne getrunken haben, so dass für eine Person jeweils eine Kanne vorgesehen war und sich dafür kleinere Kannen doch eher eigneten.

Wie bereits erwähnt wurden viele Formen bereits in der frühen Entwicklungsphase der Zisha-Kannen zu Beginn  der Ming-Dynastie  entwickelt. Später gesellten sich jedoch eine Vielzahl weiterer Formen, wobei neben den klassischen schlichten Kannen (Kugelform, Kürbisform, Zylinderform etc.) sich bis heute unzählige weitere Formen und verzierte Kannen hinzugesellten – der Phantasie und künstlerischen Freiheit sind hier schlichtweg keine Grenzen gesetzt.

Die frühen Yixing-Kannen waren also eher noch schlicht und zumeist einfarbig, jedoch entwickelte sich besonders auch unter dem Einfluss von Malern, Kalligraphen und Dichtern eine neue Sitte, nämlich einen Teil der Yixing-Teekannen mit Kalligraphien, kleinen Zeichnungen oder mit pflanzlichen oder tierischen Applikationen zu verzieren, oder gar die Kanne zwei- oder mehrfarbig zu gestalten. Die echte oder authentische Yixing-Teekanne wurde so mehr und mehr zu dem, was sie bis heute ist, einem Gesamtkunstwerk, an dem verschiedene Kreative teilhatten, Literaten und Gelehrte, Kalligraphen und Maler und der Keramiker selber. Da die Teekannen nun nicht mehr nur reine Gebrauchsobjekte waren sondern vielmehr zu kleinen gesuchten Kunstwerken wurdem, begannen die Yixing-Künstler ihre Namen als Signatur auf der Unterseite der Kanne sowie unter dem Deckel und dem Griff zu verewigen, was bei (künstlerischen) Porzellanherstellung in Jingdezhen erst sehr viel später üblich wurde.

Das Besondere an einer Zisha- oder Yixing-Teekanne ist daneben jedoch die Materialbeschaffenheit. Zum einen bildet sich eine „wertvolle“ Patina in der Kanne, indem der nach dem Brennen noch poröse Ton den Geschmack des Tees absorbiert. Andererseits gelangt dadurch noch Luft durch die Poren in das Innere der Kanne, wodurch sich das Aroma des Tees in einer Yixing-Teekanne noch besser entfalten kann. Wenn in einer solchen Teekanne dann immer dieselbe Teeseorte – idealerweise auch die gleiche Qualität – zubereitet wird, dann wird die Kanne immer besser und wertvoller und der Teegenuss zum besonderen Erlebnis.

Yixing-Teekannen zeichnen sich durch eine erstaunliche Formenvielfalt aus, so sind Nachbildungen von allen möglichen Gegenständen, von Tieren, Früchten und anderen Pflanzen, aber auch geometrische Figuren wie Kugeln, Zylinder, Kuben usw. äußerst beliebt bei den Yixing-Künstlern.

Abhängig von der Gegend und den jeweiligen Trinkgewohnheiten können die Teekannen in Form und Größe doch sehr unterschiedlich ausfallen.  Im Norden Chinas trifft man eher größere Kannen mit einem Fassungsvermögen von mehreren hundert Millilitern, ja sogar Volumen von mehr las einem Liter sind zu finden. Im Süden hingegen sind die Kannen eher kleinvolumig, da sie meistens nur wenige kleine Teeportionen, manchmals gar nur eine fasst, da der Tee sofort heiß getrunken wird, und die Teeblätter immer wieder mit heißem Wasser aufgeschüttet werden. Insgesamt fallen choineische Kannen sehr viel kleiner aus als im Westen; wahrscheinlich haben die weitaus meisten Kannen eine Größe von rund 200 bis 250 ml. Jedoch greifen die Liebhaber sehr seltener und wertvoller Tees häufig auch zu kleinen Kannen mit einem Volumen von 100 ml oder weniger.

Material und Herstellung der Zisha-Teekannen

Die begehrten Tonsteine werden immer seltener. Heute müssen sie zum Teil in Flözen abgebaut, die bis zu einige hundert Meter tief reichen können. Daher ist Zisha-Ton (Lilasand) sehr wertvoll, manche vergleichen ihn gerne mit Gold oder glauben, Lilasand sei kostbarer als Jade und Perlen. Die Verbreitung und steigende Beliebtheit der Teekultur und auch der in der Ming und Qing-Dynastie entstehenden heutigen Tee-Zeremonien – besonders des gong fu cha – haben möglicherweise auch mit der Entwicklung der Zisha-Kannen und Zisha-Kunst zu tun.

Die Vielfalt an Formen (und Größen), an (Ton-)Farben und anderen Eigenschaften ist einzigartig. Echte, authentische Zisha-Kannen sind nicht gefärbt, vielmehr werden die reinen Farben der Ausgangsmaterialien genutzt, die gepaart mit der Brenntemperatur besondere Farben und Töne ergeben.

Nach dem Brennvorgang erscheint die Tonkanne ganz natürlich, zart und elegant. Das Äußere hat eine gewisse Mattheit, wodurch Spiegelungseffekte vermieden und sich die dynamischen Effekte von Form, Dekoration und natürlicher Farbe frei entfalten können. Das Ausgangsmaterial, aber auch die Erscheinungen von Zisha-Kannen sind ursprünglich und, konfuzianischer, daoistischer und buddhistischer Tradition entsprechend, „bescheiden“, statt zu verführen und geschmacklos zu wirken. Das stimmt mit der Gemütslage und inneren Einstellung chinesischer Gelehrter, Literaten und Künstler überein, weshalb Zisha-Kannen unter ihnen ganz besonders beliebt sind. In ihren Augen spiegeln sich in Zisha-Kannen Emotionen und Geisteshaltungen, was durch Unterschriften und Sigeln der Kunstschaffenden sowie durch Kalligraphien noch unterstrichen wird.

Zisha selbst ist eine Art gemahlener Tonstein aus einer Mischung gröberer und feinerer Körnung (Beispiele finden Sie in unserem Teehaus). Mit dem Kaolin aus Jingdezhen, Dehua und Longquan gehört es zur Kaolinit-Quarz-Glimmer-Gruppe, doch hat es einen größeren Gehalt an Eisen, Silizium und anderen Oxiden. Je nach Art der Farbe unterscheidet man fünf Haupttypen:

  • der erste Ton ist lila oder purpur, daher auch der Name „Lilaschlamm” oder zini
  • der zweite ist aschfahl oder olivgrün, manchmal gelb; dieser Typ wird als ,,Satinschlamm” bezeichnet, der nach dem Brennen sich in die Farben hellgrau, beige, gelb verwandelt
  • der dritte Typ heißt Rotschlamm oder hongni, da er sich nach dem Brennen rötlich färbt
  • der vierte Ton heißt Schwarzschlamm, duanni, mit hellgrauen Körnungen
  • der letzte Ton wird als Grünschlamm bezeichnet, da er sich nach dem Brennen grün färbt

Diese Tonerden lassen sich nicht nur leicht formen, sie haben auch noch viele andere Vorteile. Wegen des hohen Kaolingehaltes etwa, verglast Yixing-Ton auch nicht bei hochgradigen Brenntemperaturen, so dass der poröse Charakter des Tons nicht verloren geht, andererseits aber die Kannen wasserundurchlässig und sehr fest sind. Ein weiterer Vorteil ist, dass sich beim Brennen die Töpferarbeiten nur minimal verkleinern.

Diese vorgenannten fünf Typen werden gemeinsam als „Ton mit fünf Farben” bezeichnet. Die Tone lagern im Berg Huanglong und im Distrikt Dingshu; beide gehören zum Stadtgebiet von Yixing. Das häufigste Vorkommen ist das des Lilasschlamms, während Grünschlamm heute eher sehr selten vorkommt. Durch Mischen und durch die Brenntemperatur werden die Farben beeinflusst.

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Eine erstklassige Zisha-Kanne hat übrigens eher keinen oder wenig Schmuck oder Verzierungen, sie wirkt ausschließlich über ihre natürliche Farbe und den Ausdruck durch die Form. Sie haben entweder eine geometrische Form (Kugel, Quader, hexagonal, oktogonal etc.) oder sie bilden Landschaftsbilder, Pflanzen oder Tiere ab. Einige werden „monolithisch“ als natürliche Objekte gebrannt, wie z.B. als Persimone und Lotus usw., während andere aus verschiedenen Elementen komponiert werden, z.B. ein Bambusknoten als Handgriff oder eine Traube als Deckel.

Die Herstellung einer Yixing-Teekanne

War früher der Prozess der Tonaufbereitung, das Zerkleinern der Tonsteine, das Trocknen, Mahlen und Sieben, sehr arbeitsintensiv, so übernehmen diese Arbeiten heute weitgehend Maschinen. Die Tonsteine werden zu Pulver und Körnern mit verschiedenen Körnungsgrößen gemahlen und anschließend mit Wasser angesetzt; der so entstehende gebrauchsfertige Knetteig wird meist in einer Art Blockform entweder direkt oder in kleinen Spezialgeschäften an die Yixing-Künstler verkauft. Diese schneiden die Masse zur weiteren Verarbeitung in kleine Stücke oder Streifen.

Übrigens, bis vor rund 200 Jahren wurden die Kannen fast ausschließlich in reiner Handarbeit – bei Rundformen durch Unterstützung der Töpferscheiden – modelliert.  Erst als die Nachfrage enorm anstieg wurden die Produktionsmengen in einem arbeitsteiligen Prozess erhöht, wobei nun auch Fertigformteile verarbeitet wurden. Die guten und kunstfertigen Kannen der Yixing-Meister werden jedoch auch heute noch ausschließlich mit der Hand und einfachsten Werkzeugen getöpfert.

Dabei wird zunächst der Kannenkörper geformt und geglättet, dann kommen der separat gefertigte Henkel, die Tülle und der Deckel, der ganz zum Schluss eingepasst wird. Die fertige Kanne wird nun getrocknet, bevor sie dann bei Temperaturen bis zu 1250 °C gebrannt wird, wobei höhere Temperaturen dunklere Tönen zeitigen. Das Brennen wird heute übrigens nicht mehr vom Künstler selber sondern vielmehr von kleinen Dienstleistern mit elektrischen Brennöfen durchgeführt.

Zisha-Kunst ist auch Handwerkskunst

Die Kunst und Ästhetik der Zisha-Kannen sind Ausdruck einer exquisiten Handwerkskunst. Dabei definieren die Anforderungen an die praktischen Eigenschaften einen immer höheren Anspruch der Teeliebhaber an die Zisha-Kannen. Das Bewusstsein, nach der perfekten des Kanne zu streben, fördert dabei aber auch die Entwicklung der Standards in der Handwerkskunst selbst sowie die eigenen Ansprüche der Künstler und Handwerker. Im Umkehrschluss übersetzt heißt das, dass eine perfekte Kanne auch nur Ausdruck einer herausragenden Hand- und Kunstfertigkeit sowie von langer Erfahrung sein kann. Perfekte geometrische Formen, absolute Symmetrie, nahtlose Werkstücke, einheitliche Oberfläche, klare Linien, feine Details: Alles das kann nur durch einen sorgfältigen und strengen Planungs- und Produktionsablauf gewährleistet werden, der bereits bei der Auswahl der Materialien sowie den Design-Entwürfen beginnt und sich bei der Wahl und Pflege der Werkzeuge fortsetzt, was schließlich in einem Sprichwort der Künstler zum Ausdruck kommt: „Scharfe Werkzeuge schaffen gute Arbeit“. Dabei sind nicht technisch komplizierte und viele Werkzeuge das Geheimnis, vielmehr ist die Kombination einer einfachen Formstruktur und -sprache und die Verwendung einfacher Werkzeuge eine wichtige Voraussetzung für eine vollendete Zisha-Kunst. Die kreative und effiziente Gestaltung der Arbeit und die sinnvolle Kombination von Kunst- und Handwerksprozessen von der konzeptionellen Arbeit bis zur Behandlung von Detailfragen machen die Zisha-Kunst aus. In diesem Sinne ist – wie mir ein chinesischer Freund und Zisha-Künstler unlängst sagte – „die vollendet beherrschte Handwerkskunst ein wichtiges Versmaß für meine Poesie“.

Zisha-Kannen: Ästhetik und Funktionalität

Für die „Schönheit“ und Qualität der Teekanne als Ganzes spielt neben der Ästhetik die Funktionalität eine ganz entscheidende Rolle, denn zum den praktischen Gebrauch werden die Kannen schließlich gemacht. Aus ihrer Anwendbarkeit und Funktionalität bei der Teezubereitung bildet sich die Kunst der Zishakannen allmählich heraus. Die Teezubereitung als solche entwickelte sich damit auch zu einer ihrer inneren Eigenschaften. Das Verkosten und Trinken von Tee ist einerseits ein alltäglicher Vorgang zur Erfüllung gewisser Grundbedürfnisse und – ernsthaft in einem kulturellen Kontext betrieben – einer geistig-intellektueller Vorgang. Und daraus ergeben sich im Laufe der Zeit für die Teetrinker und -liebhaber immer höhere Forderungen an die Teeaccessoires.

Einerseits sind die optische wie haptische Gesamterscheinung und Ästhetik (Farbe, Form, Symmetrie, Maße, Struktur) wichtig, man ist seinem Lieblingsstück zugetan, nimmt es gerne in die Hand. Bei der Teezubereitung spielen dann alle Teile eine besondere Rolle, der Deckel, der Handgriff, die Tülle, das Sieb, Größe (Volumen) usw.: In einer ausreichend dimensionierten Kanne kann sich ausgezeichneter Tee bestens entfalten, mit einem passenden Handgriff kann man leicht die Kanne halten und bewegen, durch einen gut proportionierten Ausguss und ein gutes Sieb fließt der Tee gemächlich heraus usw. In allen diesen Details kann man nach förmlicher und funktionaler Vollendung streben, um so das Gefühl der Zufriedenheit eines Teetrinkers zu steigern, der sich dann noch mehr dem Genuss des Tees widmet und gleichzeitig die Arbeit des Künstlers wertschätzt. Zwar unterscheiden sich diese Aspekte von Schönheit und Funktionalität grundsätzlich von der Ästhetik anderer Kunstformen, doch stehen sie andererseits damit in einer engen Verbindung.

Tiefgreifende kulturelle Konnotation

Die kulturellen (teils auch ideologischen) Bezüge sind die Seele der Kunst. Jede Nation hat ihre eigene, einzigartige Kultur. Sie ist das Ergebnis assimilierter Effekte einer langfristigen Entwicklung in der Kunst, in Philosophie, Politik, Geschichte, Geographie, Religion, Lebensgewohnheiten und anderer,  besonders auch sozialer Faktoren.

Wie andere Nationen, so hat auch China eine einzigartige Kultur, die man nur verstehen kann, wenn man sich allen vorgenannten Aspekten nähert. Kunst ist ein wichtiger Träger der nationalen Kultur und Identität. In diesem Sinne muss und hat auch die Zisha-Kunst als eine spezifische chinesische Kulturform eine kulturelle Konnotation und Kontext; dies ist sowohl eine wichtige Funktion eines Kunstwerkes als auch eine natürliche Eigenschaft.

Die ursprünglichen Tee-Accessoires waren meist multifunktional und wurden für den täglichen Gebrauch für Getränke und Mahlzeiten verwendet. Je höher die Anforderungen der Teetrinker, besonders seit der Entstehung der Sortenvielfalt in der Ming-Dynastie, wurden, desto deutlicher wurden besondere, zum Teil prägende Merkmale – nicht nur – der Teekannenkunst. Schließlich entwickelten sich diese zu einer eigenen Kunstform mit einem umfassenden System an strukturellen und künstlerischen Elementen. Mit eigenen und aus anderen Kulturbereichen entliehenen Merkmalen versuchen die Künstler und Handwerker – wie es ein Freund ausdrückte – „die Tonkannen national nachempfindbar und schöner zu gestalten, wodurch man den Tee mit besonders guten Gefühlen genießt“.

Künstlerische Kreativität

Künstlerische Kreativität ist ein Merkmal von Kunst, das Leben der Kunstwerke ein anderes. Die Aufgaben von Wissenschaftlern bestehen darin, die Natur zu erforschen, Naturgesetze zu entdecken, zu beschreiben und sie idealiter der Menschenwelt nutzbar zu machen. In den Augen der chinesischen Zisha-Künstler liegt deren Verantwortung darin, zunächst die Schönheit der Natur von „Erzen“ zu befreien, zu „läutern“, um sie dann mit Elementen geistiger Schönheit zu verschmelzen und in Form von „Kunstwerken“ den Menschen zu präsentieren, damit man schließlich Ästhetik in einem umfassenden Sinne genießen kann, so als probierte man zahlreiche Köstlichkeiten. Die Gerichte von Chaozhou sind eher leicht und sehr lecker, während die Küche von Sichuan sehr reichhaltig und herzhaft ist: Die Geschmäcker sind sehr verschieden. Und so verkörpern auch unterschiedliche Kannen unterschiedliche Formen künstlerischer Kreativität, verschiedenartiges künstlerisches Talent und andersartige geistige wie soziale Intelligenz der Kunstschaffenden. Die Vielfalt der Zisha-Künstler und ihrer Werke spiegeln die Vielfalt künstlerischer Kreativität. Und diese nuancenreichen Merkmale und die Vielfalt der „Kunstwerke“ lassen die Zisha-Kunst zu einer besonderen Kunstkategorie werden. Jedes einzelne dieser Stücke muss die künstlerische Kreativität und Einzigartigkeit offenbaren, nur so haben sie wirklich einen einzigartigen künstlerischen Wert. Das wiederum führt dazu, dass die Künstler ständig ihre Kunst- und Handfertigkeit zu verbessern suchen, um stets neue Kunstwerke zu kreieren.

Praktische Empfehlungen

Bei den Yixing-Kannen gibt es sehr große Material- und Qualitätsunterschiede und damit auch sehr große Preisunterschiede. Nicht jede Yixing-Kanne ist eine „echte“ Yixing-Kanne oder Zisha-Kanne. Die Vorräte an echtem Zisha-Ton werden seltener, weshalb sie seit einiger Zeit auch nur noch kontrolliert abgebaut und abgegeben werden. Das Rohmaterial ist mittlerweile recht teuer, für rund 20 kg sind hier schon leicht einmal über 1.000 Euro fällig, für das Ausgangs- bzw. Rohmaterial, wohlgemerkt. Dieses ist übrigens ein roher Tonstein, der zunächst in unterschiedliche Korngrößen zermahlen und dann „angesetzt“ wird. Für eine Kanne werden durchschnittlich zwischen 400 und 500 g Ton benötigt, also kann man sich in etwa ausrechnen, was hoch allein die Materialkosten sein können.

Im Umkehrschluss heißt das, eine Kanne für 30 Euro oder weniger, wie im Internet zahlreich angeboten, kann keine echte Zisha-Kanne sein; sie kann trotzdem durchaus aus Yixing stammen. Bei diesen Kannen ist durchaus Vorsicht geboten, weniger wegen möglicher Schadstoffe – was immer wieder kolportiert wird – sondern besonders wegen der Qualität. Schadstoffe gibt es eher selten – mir persönlich sind kaum solche Fälle bekannt. Schadstoffzertifikate gibt es auf jeden Fall keine.

Die wirklichen Qualitätsunterschiede werden dann sichtbar wenn man Einzelstücke oder Kleinauflagen mit Kannen aus größerer Produktion vergleicht: Da kommen weitere Faktoren ins Spiel wie etwa Form, Passgenauigkeit (etwa des Deckels), Gießeigenschaften der Kanne, das Material selbst bzw. auch die Farbe des Tons und nicht zuletzt selbstverständlich auch der Name der Werkstatt- oder des Tonmeisters (-künstlers), der die Kanne hergestellt hat – Stoff für eine ganze Abhandlung.

Neben den vorgenannten billigen gibt es Kannen im mittleren Preissegment, meist semimanuell hergestellt, mit Preisen zwischen 40 bis 50 Euro und 150 bis 200 Euro. Diese sind in der Regel bereits recht gut bis sehr gut verarbeitet, sind aus gutem Ton, und sie „funktionieren“ auch recht ordentlich.

Sehr gute Kannen bzw. Einzelstücke mit echtem Zishaton gibt es ab 200 bis 300 Euro bis zu einigen hundert Euro. Nach oben hin gibt es keinerlei Grenzen – Tendenz: teurer werdend. Besonders seltene schwarze, grüne, blaue und gelbe Zisha-Tone werden immer seltener und sind im Preis bisweilen auch recht teuer.

Wie erwähnt gibt es einen weiteren maßgeblichen Faktor, nämlich wer hat die Kanne hergestellt? Zisha-Künstler sind hierarchisch organisiert bzw. strukturiert: Großmeister (national/regional), Meister, Geselle etc. Je höher der Künstler in der Hierarchie, so teurer in der Regel die Kanne, die dann auch schon einmal im fünfstelligen Eurobereich liegen kann und in der Regel bestellt werden muss. Doch ist es nicht zwingend, dass diese besser sind als vorgenannte Künstlerkannen im dreistelligen Eurobereich.

Hinzufügen möchte ich noch den Hinweis auf die unterschiedlichen Siebe in Tonteekannen: das Tüllensieb und das Kugelsieb. Das Tüllensieb ist eingearbeitet in den Kannenkörper indem Löcher in die Kannenwand vor dem Ausguss (Tülle) gestochen werden. Das Kugelsieb wird separat hergestellt und dann vor den Ausguss eingesetzt oder geklebt (mit allen Nachteilen). Tüllensiebe sind in der Regel hochwertiger; es gibt jedoch auch sehr gute, aufwendige und sogar künstlerische Kugelsiebe.

Zusammenfassend könnte man folgende Klassifizierung von Yixing-Kannen treffen:

  • von sehr bekannten Zisha-Meistern gefertigte Kannen (Preise ab 1.000 bis über 10.000 Euro, Kannen müssen bestellt werden): Raritäten, Einzelstücke, sehr gesucht, in der Regel sehr kunstvoll und technisch-funktionell von höchster Qualität – für absolute Teeliebhaber und/oder Sammler
  • von Zisha-Künstlern bzw. Tonmeistern handgefertigte Kannen (Preise ab rund 200 bis 300 Euro und bis über 1.000 Euro): Diese Kannen sind ebenfalls von höchster Qualität (manchmal gar besser als vorgenannte) die jedoch noch zu gesuchten Raritäten werden können; sie sind zwar Einzelfertigungen, jedoch kann es mehrere Kopien einer Form geben – sehr empfehlenswert
  • handgefertigte Teekannen in Kleinserienfertigung mit guter bis sehr guter Qualität mit Preisen ab rund 50 Euro bis etwa 200 bis 250 Euro: diese Kannen haben schon ein recht gute Qualität, sie haben meistens ein Tüllensieb, die Passgenauigkeit des Deckels, Oberflächenbeschaffenheit, Harmonie der Kanne sind in der Regel bereits recht ansprechend – Fazit ebenfalls sehr empfehlenswert
  • semi-manuell gefertigte Massenware aus Yixing mit vorgefertigten Teilen mit Preisen von ca. 20 bis ca. 40 Euro, hier sieht man beispielsweise Schnittkanten bzw. Nähte, an denen die zwei Hälften zusammengefügt wurden, sie haben eher bescheidene Gießeigenschaften, häufig haben sie ein aufgesetztes Kugelsieb, schlechtere Qualität des Tones, der auf jeden Fall kein echter Zisha-Ton ist, etc. – Fazit: wenn überhaupt nur sehr bedingt zu empfehlen
  • irreführenderweise als Yixing-Kanne bezeichnete Massenware (häufig nicht aus Yixing) mit Preisen bis ca. 20 bis 30 Euro – hiervon möchten wir dringend abraten.

Wie kaufe ich eine Yixing-Kanne:

Der Kauf einer Yixing-Kanne ist schwierig und eine Vertrauenssache. Idealerweise kauft man eine Kanne in einem Teeladen oder im Teehaus: Man nimmt sich ausreichend Zeit und geht etwa so vor:

  • Erstbegutachtung: Welche Kanne gefällt mir (spontan, ohne auf Preis und anderes zu achten)?
  • genauere Auswahl: Farbe, Größe, Form, harmonische und funktionale Aspekte
  • optische wie haptische Gefühlsprobe
  • Funktionsprobe (Oberflächenbeschaffenheit, Passgenauigkeit des Deckels etc.)
  • praktisches Ausprobieren (Gießen etc.)
  • erste grobe Vorauswahl
  • ggf. Budget abstecken
  • Shortlist erstellen
  • ggf. alles wiederholen und dann Auswahl treffen
  • sind Sie sich nicht sicher, kommen Sie lieber noch einmal wieder

Schlussendlich aber ist natürlich alles eine äußerst subjektive Angelegenheit. Und so entscheidet „richtigerweise“ der Teetrinker selber hinsichtlich der Qualität „seiner“ Lieblingskanne: Gefällt mir die Kanne? Kann ich mir die Kanne leisten? Ist es eine Kanne für meine Sammlung? Fehlt mir gegebenenfalls noch eine bestimmte Form von Kanne? Fehlt mir noch eine bestimmte Farbe?  Ist es eine Kanne für eine Teezeremonie mit Freunden? Oder ist es eine für den täglichen eigenen Gebrauch?

Welcher Tee in welcher Kanne?

Grundsätzlich soll aus naheliegenden Gründen in einer grobporigen Zisha-Teekanne immer nur eine Teesorte zubereitet werden. D.h. im Idealfalle hat man eine Yixing-Kanne für helle oder leicht oxidierte Blaue Tees wie Anxi Tie Guan Yin, eine für stärker oxidierte, dunkle Oolongs wie Steintees (z.B. Da Hong Pao aus dem Wuyishan), eine für vollständig oxidierte Rote Tees (besser sogar mehrere, da Rote Tees sehr unterschiedliche Aromen haben) und eine für postoxidierte Tees (z.B. Pu’erh aus Yunnan). Im Gegensatz zu der verbreiteten Auffassung kann man auch nicht oder leicht „an“oxidierte Tees (Grüne, Weiße und Gelbe Tees) in Yixing-Teekannen zubereiten, wobei ich persönlich jedoch hier einen weißen oder blau-weißen Porzellan-Gaiwan bevorzuge. Übrigens, je dunkler eine Kanne, um so heißer wurde sie in der Regel gebrannt, auch das kann ein Kriterium für Ihre Auswahl sein.

Richtiger Umgang mit der Zishakanne

Ohne zu übertreiben, sollte anfangs die Zishakanne richtig eingeweiht und hinterher richtig behandelt werden:

  • wiederholtes Ausspülen der Kanne mit kochendem, vorher entkalktem Wasser
  • sind Sie sich nicht sicher kochen Sie gegebenenfalls die Kanne aus
  • optional: Einkochen der Teekanne, d.h. mit einer bestimmten Sorte Tee, den man über Nacht oder länger ziehen lässt, ggf. wiederholt man diesen Vorgang mehrfach
  • nach den ersten Zubereitungen mit Tee sollten Sie den gekochten Tee über Nacht oder gar für ein oder zwei Tage in der Kanne stehen lassen (Wasser komplett abschütten)
  • bei der Teezubereitung sollten Sie die Teekanne (auch später) häufiger auch von außen mit Tee bestreichen (dazu kann ein Teekannenpinsel nützlich sein)
  • später sollte idealerweise nur die gleiche Teesorte in der selben Kanne gekocht werden
  • die Kanne sollte man auch nur mit Wasser, einem Tuch ggf. mit einer nicht allzu harten Bürste reinigen, da die Tonkannen feinste Poren besitzen, in die sich der Tee ablagert und so langsam eine Einheit entsteht

Zishakannen und Zishakannenkünstler

Unter der Rubrik „Kunst und Kunsthandwerk“ rangieren (nicht nur bei Zisha-Künstlern) mehrere Hierarchiestufen. Um so höher ein Künstler in dieser Hierarchie klettert, um so höhere Preise kann er in der Regel erzielen. In nicht wenigen Fällen erzielt er fünfstellige Preise, in manchen Fällen kann er auch sechsstellige Eurobeträge für seine Meisterstücke erhalten. Allerdings lässt das nicht den Schluss zu, dass alle Kannen von Künstlern, die nicht in der Hierarchie weit oben angesiedelt sind, günstig sind, auch hier gibt es namhafte Künstler deren Kannen vier- und fünfstellige Summen erzielen.

Teeliebhaber und Sammler gleichermaßen lassen sich jedoch bei der Auswahl Ihrer Schätze nicht nur von diesen Hierarchie leiten. Vielmehr machen sie ihre Entscheidung von mehreren Faktoren abhängig, wie etwa ganz allgemein der Ästhetik einer Zishakanne, dem künstlerischen „Wert“ einer Kanne, dem Material der Kanne, der Farbe der Kanne, aber auch dem Gebrauchswert. Schlussendlich ist die  Entscheidung letzten Endes nach Möglichkeit ein ausgewogenes Verhältnis aller vorgenannten Faktoren.

Bei allen Überlegungen bezüglich der Hierarchien sollte aber auch nicht unerwähnt bleiben, dass es viele „unabhängige“ Yixing-Künstler gibt, die keinen Wert auf  Titel und Hierarchien legen, die aber dennoch berühmt sind und deren Kannen begehrte Sammlerstücke darstellen.

Aber wie kommen die Künstler zur ihren Titeln bzw. Was verbirgt sich dahinter? Bezüglich der Hierarchien  gibt es auf nationaler Ebene (dazu gibt es noch regionale Hierarchieebenen) folgende Stufen, zu denen die nachfolgenden Voraussetzungen gehören (eine Auswahl):

  1. Künstler oder Kunsthandwerker
    1. mindestens 7 Jahre praktische Erfahrung
    2. Kannen werden freihändig ohne Muster erstellt
  1. Assistenzmeister
    1. Abitur oder höhere schulische Qualifikation
    2. mindestens 15 Jahre Erfahrung
    3. hat mindestens einen Preis auf Provinz- und einen Preis auf nationaler Ebene gewonnen
  1. Meister
    1. Fachschule oder Hochschule
    2. Mindestens 20 Jahre praktische Erfahrung
    3. hat mindestens 2 nationale Preise gewonnen
    4. hat mindestens einen Artikel in einem relevanten Magazin oder in einem Periodikum veröffentlicht
  1. Seniormeister
    1. Fachschule oder Hochschule
    2. mindestens 25 Jahre praktische Erfahrung
    3. hat mindestens 2 nationale Preise, 3 auf Provinzebene und einen auf internationaler Ebene  gewonnen
    4. hat Artikel in relevanten Magazinen oder Periodika zum Thema Design, Material, Handwerkskunst und/oder Brennen veröffentlicht
  1. Großmeister
    1. Fachschule oder Hochschule
    2. mindestens 30 Jahre praktische Erfahrung
    3. hat mindestens 4 nationale Preise und 2 internationale Preise (Goldmedaillen) gewonnen

Original und Fälschung

Und abschließend noch ein paar Worte zum Thema Original und Fälschung. Seit langer Zeit sind Zisha-Teekannen äußerst beliebt und als Sammlerobjekte heiß begehrt. Das hat wie überall leider auch hier Kopisten und Fälscher auf den Plan gerufen. Diese sind bereits seit dem 19. Jahrhundert äußerst produktiv. Deshalb können auch – oder gerade – ältere Yixing-Teekannen durchaus Fälschungen sein. Form, Zustand, Verarbeitung und viele andere Details, alles liefert schlussendlich keinen eindeutigen Beweis für die Echtheit, und – das sein noch angemerkt – selbst Fälschungen können von äußerst guter Qualität sein.

Eine echte Yixing-Kanne trägt immer ein Siegel auf der Unterseite des Kannenkörpers, zwei Stempel unter dem Deckel, ein Stempel an der Unterseite des Griffes und bei sehr hochwertigen Kannen zum Teil noch an der Innenwand der Teekanne. Bei diesen Stempeln handelt es sich übrigens entweder um die Angabe einer Werkstatt, oder es handelt sich bei sehr wertvollen Einzelstücken um den Namen des Yixing-Meisters oder Künstlers.

Bei der Prüfung erfolgt zunächst ein Giess- oder Gebrauchstest. So lassen sich etwa kleine Risse oder eine unzuläöngliche Verarbeitung erkennen. Nach dem Gießverhalten geprüft wird geprüft, wie gut der Deckel eingepasst ist. Bei einer Sichtprobe wird der optische Gesamteindruck beschrieben. Aber auch alles das gibt keine Auskunbft, ob es sich um ein Original oder eine Fälschung handelt. Man sollte aber z.B. beachten, dass ganz besonders bei alten Stücken Unregelmäßigkeiten normal sind, da sie in reinster Handarbeit mit äußerst primitiven Werkzeugen getöpfert wurden.

Äußerst vorsichtig sollte man sein sobald alte Zisha-Kannen angeboten werden. Man muss sich erinnern, dass sich die meisten echten alten bzw. historische Stücke in Museen oder unzugänglichen Privatsammlungen befinden, und „echte“ Kannen deshalb auch äußerst selten sind.

Kanne des berühmten Yixing Meister Zhu Kexin (1904-1986)

Die Oberfläche einer „neuen“ Ziusha-Tonkanne ist anfangs noch rauh. Die Kanne erhält erst im Laufe der Jahre durch den ständigen Gebrauch und das Anfassen und Reiben ihren seidenen Glanz. Außerdem müsste eine alte Kanne gewisse Gebrauchs- und Abnutzungsspuren an bestimmten häufig genutzten bzw. berührten Stellen aufweisen.

Ein anderes Indiz könnten Ablagerungen im Innern wie außen auf der Kanne sein, die sich durch den Tee  sowie durch Wasserrückstände (Kalk) etc. im Laufe der Jahre entwickeln.

Detail zur Kanne Zuhu Kexins

Es ist also äußerst schwierig die Echtheit und den Wert einer Yixing- oder Zisha-Teekanne zu bestimmen. Deshalb sind neben den zuvor beschriebenen allgemeinen Kriterien der eigenen Geschmack und eine künstlerisch-ästhetische, harmonische Gesamterscheinung bedeutsam, die sich schließlich aus Farbe, Größe, Form, Beschaffenheit, Verarbeitung und Funktionalität definiert.

Berühmte Meister

Wie in anderen Kunsthandwerken auch wurde früher das Töpferhandwerk immer vom Meister an den Schüler weitergegeben. Dabei verbrachte ein chinesischer Lehrling gute fünf oder sechs Jahre bei seinem Herrn, um dann in einer formalen Zeremonie zum Gesellen ernannt zu werden. Durch diese langjährige und intensive Ausbildung sind natürlich immer wieder Einflüsse zu erkennen.

Detail zur Kanne Zhu Kexins

In den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts entstanden in China auch Handwerks-Schulen und künstlerische Hochschulen, an denen bis heute die traditionelle Yixing-Töpferkunst von bekannten Töpfermeistern der Region unterrichtet wird.

Die großen Yixing-Tonmeister

Der im 16. Jahrhundert lebende Shi Dabin war der erste berühmte Meister, der selbst wiederum mehrere berühmte Schüler ausbildete. Zu diesen gehören Li Zhongfan , Xu Youqan, Chao Wenjing und Ou Zhenchen.

Zu den vielen modernen Meistern, die in der Yixing-Keramik herausragen gehört Gu Jing Zhou, der mittlerweile sogar internationalen Ruhm erlangt hat. Er hat einen klar, sachlichen und einfachen Stil von schlichter Eleganz geprägt, der viele Verehrer und auch Schüler gefunden hat.

Ansonsten sind neben vielen anderen exzellenten Künstlern die Meister Xu Han Tang, Li Chang Hong und seine Frau Shen Ju Hua sowie Jiang Rong hervorzuheben.

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